Archive for the ‘Forschung’ Category

Die eigene Website ist die beste

25. Januar 2011

Kai Fischer weist in fundraising innnovativ auf eine Studie des US-Dienstleisters Network for Good hin, nach der die Spendenaufrufe auf eigenen Websites der Organisationen mehr Erfolg und Nachhaltigkeit versprechen als die auf Spendenportalen und in Social Networks. Die Erkenntnisse, denen die Auswertung von 3,5 Millionen eigenen Daten der Firma zugrunde liegt, sind:

  • Förderer, die über die eigene Website kommen und auf einem Spenden-Tool im Corporate Design der Organisation spenden, steigen mit den höchsten Beträgen ein und spenden auch über die Zeit deutlich mehr als alle Online-Spender, die einen anderen Zugang wählen.
  • Portal-Seiten helfen vielfach Spendern bei der Orientierung und bieten eine gute Übersicht, wer sich bei welchem Thema engagiert. Aber sie führen auch zu geringeren Erträgen.
  • Noch schlechter sind die Zahlen, wenn man sich die Spenden anschaut, die über Social Network-Sites gegeben wurden.

Trotzdem ist klar, dass weiterhin jede dieser Möglichkeiten genutzt werden sollte, denn je mehr Gelegenheiten geschaffen werden, Förderer auf sich zu lenken, desto höher sind die Chancen, Spenden zu bekommen.

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Kein Spendenweltmeister

17. November 2010

Deutschland steht nur auf Platz 18 des World Giving Index, auf gleicher Höhe mit HongKong, Dänemark und Guinea und hinter Qatar, Guayana, Turkmenistan, Island, Malta, Sierra Leone, Laos, weit hinter Österreich (10), Vereinigtes Königreich (8), Niederlande (7), USA (5), Schweiz (5), Kanada (3), Irland (3), Neuseeland und Australien, jeweils Platz 1.

Veröffentlicht wird der Index von der britischen Charities Aid Foundation (CAF) in London, gestützt auf  die laufende Gallup’s WorldView
World Poll zu karitativem Verhalten bei über 15-Jährigen in 157 Ländern. Gefragt wird, ob der/die Befragte innerhalb des letzten Monats Geld an eine Organisation gespendet, Zeit für eine Organisation geopfert oder einem hilflosen Fremden, den er/sie zuvor nicht kannte, geholfen hat. Bei den Geldspenden wird auf die Frage nach der Spendenhöhe verzichtet, weil sonst die reichen Länder eh an der Spitze stehen würden. Aus dem Durchschnitt der Antworten wird der Index gebildet.

Die CAF gibt zu, dass jeder Index zum Spendenverhalten umstritten sein wird. Trotzdem ergeben sich zumindest Anhaltspunkte.

Interessant ist der Befund, dass es eine stärkere Korrelation zwischen der Zufriedenheit mit dem Leben und der Bereitschaft, Geld zu spenden, gibt als zwischen dem Wohlstand der Menschen und ihrer Gebefreudigkeit. Die Franzosen (Platz 100) und Griechen (Platz 147) müssen besonders unglückliche Leute sein.

Die Gebefreudigkeit nimmt mit dem Alter überall zu; bekannt ist auch, dass der Anteil der Frauen, die Geld geben, größer ist als der der Männer, jedoch anteilmäßig meht Männer Freizeit für gute Zwecke opfern als Frauen – jedenfalls im Weltdurschnitt.

Eine bemerkenswerte Studie, die noch viel mehr bietet, herunterzuladen unter http://is.gd/hiEfO

Die Menschen spenden gerne an die Kleinen

22. Juli 2010

Endlich mal wieder ein deutsches Fundraisingexperiment. Von wissenschaftlichen Untersuchungen des Spendenverhaltens der Deutschen hört man wenig. Um so interessanter ist das Experiment des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, über das in der Ausgabe 4/2010 des Fundraiser-Magazins berichtet wird. Die Teilnehmer durften selbst verdientes Geld spenden oder behalten. 33 Prozent behielten es. Ein signifikanter größerer Anteil der restlichen Beteiligten spendete für kleinere Organisationen. Bei den kleineren Organisationen hatten die Spender den Eindruck, dass sie die Spenden nötiger hätten als die Großen und dass ein größerer Anteil der Spende dem zugedachten Zweck zugute komme.

Die 223 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 75 Jahren waren keine Studierenden oder aus dem akademischen Personal Ausgewählte, sondern in zufällig ausgewählten Haushalten Angeschriebene. Sie bekamen Geld für die Teilnahme an der Studie, mit der Möglichkeit, einen Teil rückzuspenden, was ja zwei Drittel auch taten.

US-Fundraiser pessimistisch

14. August 2009
Noch nie seit Beginn des Philanthropic Giving Index (PGI) des Center on Philanthropy der Indiana University im Jahre 1989 haben sich Fundraiser in den USA so pessimistisch über die aktuellen Aussichten des Fundraisings geäußert wie Ende 2008. Auch Mitte 2009 meinten noch 86 Prozent der Untersuchungsteilnehmer, dass die Wirtschaft gegenwärtig einen negativen oder sehr negativen Einfluss auf das Fundraising ausübe. Fast 60 Prozent erwarteten, dass diese negative Auswirkung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den nächsten sechs Monaten anhält, während 23 Prozent hofften, die Entwicklung der Wirtschaft werde während dieser Zeit einen positiven Einfluss ausüben.
Die Erwartungen der Fundraiser an die Entwicklung sind optimistischer als noch vor sechs Monate, bleiben aber unter dem Mittelwert von 82,1 Prozent während des 11-jährigen Zeitraums der Vergleichsstudie. Der Philanthropic Giving Index (PGI), der ähnlich dem US-Verbrauchervertrauensindex aufgebaut ist, stützt sich allerdings nur auf die Angaben eines repräsentativ ausgewählten Querschnitts von 188 Fundraisern und Fundraising-Beratern.
Die höchsten Erwartungen an die Verbesserungen des Fundraising-Klimas bestehen bei Fundraisern in religiösen, bildungsbezogenen und Gesundheitsorganisationen und bei deren Beratern. Am niedrigsten sind sie bei Fundraising-Experten gesellschaftlicher, umwelt- und tierschutzbezogener und auf internationale Hilfe ausgerichteter Organisationen, künstlerischer Gruppen und sozialer Einrichtungen.
Externe Berater von Non-Profit-Organisationen sind deutlich pessimistischer, als angestellte Fundraiser.
57 Prozent der Fundraiser behaupteten, ihre Organisationen hätten 2008 mehr Geld oder zumindest die gleichen Summen wie 2007 erhalten, während 39 Prozent das Gegenteil feststellten.
Ähnliche Ergebnisse brachte die 8. Jährliche State-of-Fundraising Survey der Association of Fundraising Professonals (AFP), bei der knapp 46 Prozent der teilnehmenden Organisationen angaben, 2008 mehr Spenden als 2007 eingenommen zu haben, der niedrigste Wert in den acht Jahren, seit die Untersuchung läuft. 40 Prozent der Organisationen gaben an, weniger als 2007 bekommen zu haben, mehr als in den Jahren zuvor. 14 Prozent sprachen von ungefährem Gleichstand.
Für Deutschland gibt es solche Untersuchungen nicht. Es würde sich aber auf jeden Fall lohnen, wenn zum Beispiel der Fundraising Verband solche Indizes für die Zukunft schaffen könnte. Eine gute Grundlage wäre eine repräsentative Beteiligung an der Benchmark-Studie des Verbands.
Noch nie seit Beginn der Erhebung des Philanthropic Giving Index (PGI) des Center on Philanthropy der Indiana University im Jahre 1989 haben sich Fundraiser in den USA so pessimistisch über die aktuellen Aussichten des Fundraisings geäußert wie Ende 2008. Auch Mitte 2009 meinten noch 86 Prozent der Untersuchungsteilnehmer, dass die Wirtschaft gegenwärtig einen negativen oder sehr negativen Einfluss auf das Fundraising ausübe. Fast 60 Prozent erwarteten, dass diese negative Auswirkung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den nächsten sechs Monaten anhält, während 23 Prozent hofften, die Entwicklung der Wirtschaft werde während dieser Zeit einen positiven Einfluss ausüben.
Die Erwartungen der Fundraiser an die Entwicklung sind optimistischer als noch vor sechs Monate, bleiben aber unter dem Mittelwert von 82,1 Prozent während des 11-jährigen Zeitraums der Vergleichsstudie. Der Philanthropic Giving Index (PGI), der ähnlich dem US-Verbrauchervertrauensindex aufgebaut ist, stützt sich allerdings nur auf die Angaben eines repräsentativ ausgewählten Querschnitts von 188 Fundraisern und Fundraising-Beratern.
Die höchsten Erwartungen an die Verbesserungen des Fundraising-Klimas bestehen bei Fundraisern in religiösen, bildungsbezogenen und Gesundheitsorganisationen und bei deren Beratern. Am niedrigsten sind sie bei Fundraising-Experten gesellschaftlicher, umwelt- und tierschutzbezogener und auf internationale Hilfe ausgerichteter Organisationen, künstlerischer Gruppen und sozialer Einrichtungen.
Externe Berater von Non-Profit-Organisationen sind deutlich pessimistischer, als angestellte Fundraiser.
57 Prozent der Fundraiser behaupteten, ihre Organisationen hätten 2008 mehr Geld oder zumindest die gleichen Summen wie 2007 erhalten, während 39 Prozent das Gegenteil feststellten.
Ähnliche Ergebnisse brachte die 8. Jährliche State-of-Fundraising Survey der US-Berufsvereinigung Association of Fundraising Professonals (AFP), bei der knapp 46 Prozent der teilnehmenden Organisationen angaben, 2008 mehr Spenden als 2007 eingenommen zu haben, der niedrigste Wert in den acht Jahren, seit die Untersuchung läuft. 40 Prozent der Organisationen gaben an, weniger als 2007 bekommen zu haben, mehr als in den Jahren zuvor. 14 Prozent sprachen von ungefährem Gleichstand.
Für Deutschland gibt es solche Untersuchungen nicht. Es würde sich aber auf jeden Fall lohnen, wenn zum Beispiel der Fundraising Verband solche Indizes für die Zukunft schaffen könnte. Eine gute Grundlage wäre eine repräsentative Beteiligung an der Benchmark-Studie des Verbands.

Spenden in Deutschland

29. Juli 2009
Ich lese gerade das interessante Werk „Spenden in Deutschland – Analysen, Konzepte, Perspektiven“ von Eckhard Priller und Jana Sommerfeld. In den letzten Jahren hat sich auf dem Gebiet der Spendenforschung einiges getan, vor allem dank Priller und Sommerfeld und der im Buch publizierenden Autoren.
Der Beitrag „Spendermotive und Spendenpotenziale“ zeigt, dass sich weder das eine noch das andere mit Telefonumfragen ermitteln lässt. Ich hatte Herrn H. schon davor gewarnt, als er noch mit der damaligen BSM, heute Fundraising Verband, darüber sprach. Als ich ihn später um Zahlen für einen Vortrag beim Fundraising Kongress bat, hat er den Hörer aufgelegt. So weit zum Thema Dialogfähigkeit.
Spendermotivation sind sehr vielschichtig. Kaum jemand wird am Telefon sagen, dass er gibt, weil er Wert darauf legt, dass sein Name in der Zeitung zu lesen ist oder weil es ihm aus gesellschaftlichen Gründen opportun erscheint oder weil für die undankbaren Erben nichts bleiben soll oder weil er von Freunden dazu gedrängt wird. Genauso wenig werden wirkliche Altruisten sagen, sie seien eben so gestrickt, dass sie Mitleid mit allem und jedem haben, ohne zu wissen warum. Die Geizigen werden nicht zugeben, dass sie geizig sind. Schon wenn ich jemandem am Telefon erklären wollte, was ich mit Spenden meine, etwa auch Sach- und Zeitspenden, den Euro für die Spendenbüchse in der Tankstelle, die Elternspende für die Klassenkasse, aber nicht den Kauf von UNICEF-Karten oder im Wohltätigkeitsbasar, würden viele nicht mehr zuhören. Ich selbst könnte am Telefon spontan nicht sagen, wie viel ich in den vergangenen 12 Monaten gespendet habe.
Da sind die Ansätze der Markt- und Zielgruppenbeobachtung der GfK interessanter und zuverlässiger, auch wenn sie niedrigere Spendenbereitschaft und -summen signalisieren als etwa der Emnids Spendenmonitor, der ganz auf die subjektive Einschätzung der Befragten baut. GfK hat große Erfahrung mit dem Monitoring. Hier kommen auch die Einschaltquoten fürs Fernsehen her. Wer würde einem Interviewer schon freiwillig sagen, dass er sich überwiegend Sex- und Gewaltfilme ansieht.  Die Teleskopie bringt es an den Tag, anonym, aber einigermaßen zuverlässig. Vor allem die aus GfK-Erkenntnissen resultierende Zielgruppensegmentierung ist wichtig fürs Fundraising. In Zeiten eines überbordenden Datenschutzes ist es schwieriger, an valide Adressen heranzukommen. Die Gebiete, in denen die besten Spender etwa für Kultur- und Denkmalschutz wohnen, lassen sich leicht ausmachen und mit entsprechendem Adressmaterial verbinden.
Dass das DZI zur zentralen Stelle für Spendenstatistik werden soll, ist ein guter Vorschlag. Ohne öffentliche Mittel geht das kaum. Der hochgelobte Freiwilligen-Survey  wurde fast vollständig aus öffentlichen Töpfen finanziert. Und Prillers Arbeitgeber WZB wird es ja auch. Die schöne Situation, dass ein zumindest damals wohlhabender Lobbyverband wie der AAFRC in den USA sich entschließt, eine nationale Studie „Giving USA“ ins Leben zu rufen, die sich dann sogar noch Gewinn bringt, haben wir nicht. Auch alle größeren Studien und Erhebungen in Großbritannien kommen nur Dank öffentlichen Finanzierungshintergrunds zustande, allerdings unter  hoher freiwilliger Beteiligung von Fachleuten aus allen Bereichen, und natürlich besonders vieler renommierter Fundraiser.
Ich lese gerade das interessante Werk „Spenden in Deutschland – Analysen, Konzepte, Perspektiven“ von Eckhard Priller und Jana Sommerfeld. In den letzten Jahren hat sich auf dem Gebiet der Spendenforschung einiges getan, vor allem dank Priller und Sommerfeld und der im Buch publizierenden Autoren.
Der Beitrag „Spendermotive und Spendenpotenziale“ zeigt, dass sich weder das eine noch das andere mit Telefonumfragen ermitteln lässt. Ich hatte Herrn H. schon davor gewarnt, als er noch mit der damaligen BSM, heute Fundraising Verband, darüber sprach. Als ich ihn später um Zahlen für einen Vortrag beim Fundraising Kongress bat, hat er den Hörer aufgelegt. So weit zum Thema Dialogbereitschaft.
Spendermotive sind sehr vielschichtig. Kaum jemand wird am Telefon sagen, dass er gibt, weil er Wert darauf legt, dass sein Name in der Zeitung zu lesen ist oder weil es ihm aus gesellschaftlichen Gründen opportun erscheint oder weil für die undankbaren Erben nichts bleiben soll oder weil er von Freunden dazu gedrängt wird. Genauso wenig werden wirkliche Altruisten sagen, sie seien eben so gestrickt, dass sie Mitleid mit allem und jedem haben, ohne zu wissen warum. Die Geizigen werden nicht zugeben, dass sie geizig sind. Schon wenn ich jemandem am Telefon erklären wollte, was ich mit Spenden meine, etwa auch Sach- und Zeitspenden, den Euro für die Spendenbüchse in der Tankstelle, die Elternspende für die Klassenkasse, aber nicht den Kauf von UNICEF-Karten oder im Wohltätigkeitsbasar, würden viele nicht mehr zuhören. Ich selbst könnte am Telefon spontan nicht sagen, wie viel ich in den vergangenen 12 Monaten gespendet habe.
Da sind die Ansätze der Markt- und Zielgruppenbeobachtung der GfK interessanter und zuverlässiger, auch wenn sie niedrigere Spendenbereitschaft und -summen signalisieren als etwa der Deutsche Spendenmonitor, der ganz auf die subjektive Einschätzung der Befragten baut. GfK hat große Erfahrung mit dem Monitoring. Hier kommen auch die Einschaltquoten fürs Fernsehen her. Wer würde einem Interviewer schon freiwillig sagen, dass er sich überwiegend Sex- und Gewaltfilme ansieht.  Die Teleskopie bringt es an den Tag, anonym, aber einigermaßen zuverlässig. Vor allem die aus GfK-Erkenntnissen resultierende Zielgruppensegmentierung ist wichtig fürs Fundraising. In Zeiten eines überbordenden Datenschutzes ist es schwieriger, an valide Adressen heranzukommen. Die Gebiete, in denen die besten Spender etwa für Kultur- und Denkmalschutz wohnen, lassen sich leicht ausmachen und mit entsprechendem Adressmaterial verbinden.
Dass das DZI zur zentralen Stelle für Spendenstatistik werden soll, ist ein guter Vorschlag. Ohne öffentliche Mittel geht das kaum. Der hochgelobte Freiwilligen-Survey  wurde aus öffentlichen Töpfen finanziert. Und Prillers Arbeitgeber WZB wird es ja auch. Die schöne Situation, dass ein zumindest damals wohlhabender Lobbyverband wie der AAFRC in den USA sich entschließt, eine nationale Studie „Giving USA“ ins Leben zu rufen, die überall zitiert wird und sogar noch Gewinn bringt, haben wir nicht. Auch alle größeren Studien und Erhebungen in Großbritannien kommen nur Dank öffentlichen Finanzierungshintergrunds zustande, allerdings unter  hoher freiwilliger Beteiligung von Fachleuten aus allen Bereichen, und natürlich besonders vieler renommierter Fundraiser.