Archive for the ‘Ethik’ Category

Madonna wollte Mädchenschule gründen

26. März 2011

Mal wieder alles falsch gemacht. Wer meint, mit Geld könne man in Afrika alles kaufen und erreichen, ohne selbst vor Ort zu sein und jeden  Schritt der Umsetzung zu kontrollieren, der erleidet Schiffbruch. Viele kleine und mittlere Organisationen gingen durch dieses Wechselbad der Erfahrung. Einige lösten sich desillusioniert auf, mit Imageschaden auch für die Afrikahilfe insgesamt. Die größeren wissen das bereits. Warum hat sich Madonna nicht einer erfahrenen NGO anvertraut und gleich als Dauerbotschafterin zur Verfügung gestellt? Näheres hier.

Angemessenes Honorar

16. Februar 2011

Dass Frau Lierhaus  als neues Gesicht von Ein Platz an der Sonne ein Jahreshonorar von 450.000 Euro bekommen soll, ist ihr nicht vorzuwerfen. Es handelt sich um eine kommerzielle Lotterie, deren Erträge  in überdurchschnittlicher Höhe guten Zwecken zugutekommen. Aber die Gewinnabsicht steht für die Spieler immer im Vordergrund. Und die Konkurrenz anderer Lotterien – von Aktion Mensch und vielen staatlichen und privaten – zwingt zu besonderen Marketing-Anstrengungen. Frau Lierhaus‘ Präsenz hat offenbar einen hohen Marketingwert.

Siehe dazu den Tagesspiegel und Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung

Der Paritätische fordert gleiche Verpflichtung für alle zur Transparenz

31. Oktober 2010

Der Paritätische Gesamtverband ist in Sachen Transparenz schon immer eigene Wege gegangen. Jetzt fordert er gesetzliche Vorgaben für gemeinnützige Organisationen zur Herstellung einer gewissen Transparenz nach einheitlichen Maßstäben. Das ist auch meiner Meinung nach das Einzige, was unserer deutschen NPO-Szene zu mehr Transparenz verhelfen würde. Man hätte von allen wenigstens die Grunddaten parat.

Hier der in der Zeitschrift „Der Paritätische“ 5/2010 Ende Oktober 2010 veröffentlichte Vorstoß:

Der Paritätische Gesamtverband hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) aufgefordert, eine Gesetzesinitiative zur wirtschaftlichen Transparenz gemeinnütziger Organisationen auf den Weg zu bringen und damit Generalverdächtigungen der Misswirtschaft in der sozialen Arbeit ein Ende zu setzen. Der Verband schlägt vor, die im Handelsrecht bewährten Rechnungslegungs- und Publizitätspflichten für gewerbliche Unternehmen auf gemeinnützige Organisationen zu übertragen.

Die Veröffentlichung der Finanzdaten im elektronischen Bundesanzeiger sei ein praktikabler Weg, um die notwendige Transparenz zu gewährleisten, betonte Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen, in einem Brief an die Ministerin, in dem er auf die Debatte um die wirtschaftliche Transparenz von Vereinen und Stiftungen einging, die durch einzelne Skandale in der jüngsten Vergangenheit ausgelöst wurde. Diese Debatte führe zu einem unerträglichen Generalverdacht, der alle gemeinnützigen Organisationen treffe, die korrekt und verantwortungsbewusst mit Spenden, Zuwendungen und Fördermitteln umgingen und mit ihrer Arbeit einen unverzichtbaren Beitrag zum Gemeinwohl leisteten, so der Justiziar. Freiwillige Selbstverpflichtungen könnten dieses Problem nicht lösen. „Keine noch so gut gemeinte und noch so ausführliche freiwillige Selbstauskunft wird den öffentlich geschürten Verdacht und das aus Spenderund Steuerzahlersicht nachvollziehbare Misstrauen ausräumen können, dass private und öffentliche Gelder im Namen der Gemeinnützigkeit ineffizient oder nicht ordnungsgemäß verwendet werden könnten.“

Der Paritätische schlägt vor, die im Handelsrecht gesetzlich geregelten Rechnungslegungs- und Publizitätspflichten auf Vereine und Stiftungen zu übertragen. Gewerbliche Unternehmen und gemeinnützige Organisationen mit erheblichen Umsätzen sollten bezüglich der Offenlegung ihrer Finanzdaten gleich behandelt werden. Um kleine ehrenamtliche Vereine nicht zu überfordern, sei dabei eine Untergrenze einzuziehen. Eine Anwendung des Handelsgesetzbuches würde zugleich verhindern, dass gemeinnützige Organisationen mehr Daten offenlegen müssen als gewerbliche Träger. „Die Wettbewerbsgleichheit zu beachten, ist im Bereich der Leistungserbringung zum Beispiel bei Pflegeeinrichtungen sehr wichtig“, so Hesse.

Die Positivliste

16. August 2010

264 nachweisbar förderungswürdige Spendenorganisationen haben nunmehr das Spenden-Siegel des DZI. Bemerkenswertester der Neuzugänge, die im jüngsten Spenden-Siegel-Bulletin 1/10 vermerkt sind, ist der CVJM-Gesamtverband in Kassel. UNICEF Deutschland ist noch nicht zurückgekehrt. „Durchschnittlich ca. 30% der Erstanträge auf Zuerkennung des Spenden-Siegels haben keinen Erfolg. Diese im deutschen Spendenwesen einzigartige Positivliste kann beim DZI schriftlich unter Beifügung von 3×55 Cent in Briefmarken bezogen werden,“ steht im von Tanja Ibrahim unterzeichneten Rundbrief vom 4. August. Für ganze 1,65 Euro plus Gang zum Briefkasten bekommt man also eine Liste mit Organisationen, denen man tunlichst nichts spenden sollte, bevor sie nicht versiegelt sind. Eine lohnende Investition.

Bild hilft sich selbst

16. August 2010

„Bild hilft – Ein Herz für Kinder“, die vom Axel-Springer-Verlag initiierte Charity-Organisation, liegt im Clinch mit dem DZI. Kostensparend soll auf das Spenden-Siegel auch weiterhin verzichtet werden, obwohl die Siegelkosten Peanuts sind im Vergleich zu dem, was bei der alljährlichen Spendengala und bei laufenden Aktionen vor allem der Bild-Zeitung so zu sammenkommt. Das DZI wird als halbstaatliche Organisation eingestuft, was es nicht ist. Staatlich subvebtioniert ja, aber das sind alle Diakonischen Werke und Caritase auch, aber nicht staatlich. Und wenn das DZI halbstaatlich wäre und alle Spenden sammelnden Organisationen zur Abgabe von Berichten gesetzlich verpflichtet würden, sollten sie denn den Gemeinnützigkeitsstatus wünschen, wäre das auch nicht schlecht.

Schade dass der Druck seitens der Spender, was den Umgang mit ihren Spendengeldern angeht, so gering ist. Sie wollen sich der Illusion, Gutes zu tun, nicht durch die rauhe Wirklichkeit nehmen lassen.

Gut, was der Bild-Blog dazu schreibt.

Paritätischer fordert gesetzliche Regelung zur Offenlegung von Finanzdaten

29. Juni 2010

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat die Bundesjustizministerin in einem Brief aufgefordert, eine Gesetzesinitiative zur wirtschaftlichen Transparenz gemeinnütziger Organisationen auf den Weg zu bringen und damit Generalverdächtigungen der Misswirtschaft in der sozialen Arbeit ein Ende zu setzen. Der Verband schlägt vor, die im Handelsrecht bewährten Rechnungslegungs- und Publizitätspflichten für gewerbliche Unternehmen auf gemeinnützige Organisationen zu übertragen. Die Veröffentlichung der Finanzdaten im elektronischen Bundesanzeiger sei ein praktikabler und hinreichender Weg, um die notwendige Transparenz zu gewährleisten.

Das ist der richtige Weg. Es bleibt dann immer noch Platz für selbst gestylte Transparenzinitiativen wie DZI, Transparency International, PwC-Transparenzpreis und Spendenrat, die dann der Welt ein Mehr an Transparenz und ihren Siegelbewahrern ein Mehr an öffentlichem Vertrauen bieten können. Doch nur staatlich gesetzte Standards können der gegenwärtigen Transparenzwillkür und Selbstgerechtigkeit Einhalt bieten. Das öffentliche Vertrauen wird das nicht nennenswert verbessern, denn die Guten stehen immer unter Generalverdacht.

Wenn der Gründer ein Betrüger ist

11. April 2010

Die „Legionäre Christi“ sind seit einigen Jahren auch auf dem deutschen Spendenmarkt aktiv. Sie werben mit einem kostbaren Gut, das in der katholischen Kirche immer rarer wird: Der erfolgreichen Förderung von Priesternachwuchs. Dass es sich um einen besonders konservativen Orden handelt, gibt ihm in der Kirche ein Nischendasein, ist aber in den Augen seiner zahlreichen Förderer ein weiteres Plus.

Nun durchlebt die Organisation seit einiger Zeit einen Gau sondersgleichen. Immer deutlicher wird, dass der Ordensgründer möglicherweise ein Straftäter war, der aber, da seit zwei Jahren verstorben, nicht mehr belangt werden und sich auch nicht mehr selbst wehren kann. Allerdings versuchen auch die „Legionäre“ mit Macht, sich von dem Mann zu distanzieren, zu dem sie alle aufgeschaut haben, der ein charismatischer Führer und Verführer war, dem offenbar auch viele wohlhabende Damen und Herren verfallen waren, ein Fundraiser, wie man ihn sich im Bilderbuch malen könnte, doch bei näherem Hinsehen wohl ein Betrüger von hohen Graden. Pater Marcial Maciel  wird unter anderem die Vergewaltigung von Minderjährigen, darunter seines eigenen Sohnes vorgeworfen. Er soll darüber hinaus unter falschem Namen ein Doppelleben geführt, Kinder mit mehreren Frauen gehabt, seine frommen Traktate bei anderen abgeschrieben, Spendengelder freizügig in sein eigenes Luxusleben gesteckt haben. Papst Johannes Paul II. war sein besonderer Gönner und Benedikt XVI. in seiner früheren Funktion als Leiter der Glaubenskongregation seit langem Mitwisser. Erst 2006, als der Druck zu groß wurde, musste er sich von seinen  Funktionen bei den „Legionären“ zurückziehen. Dabei hatten Reporter der US-Tageszeitung „Hartfort Courant“ schon 1997 Vernichtendes über ihn veröffentlicht. Bei seinem Tod soll er ein Privatvermögen von über 20 Millionen Dollar hinterlassen haben, berichtet der „stern“ am 8. April 2010.

Kann sein, dass die „Legionäre“ aus der Affäre gut herauskommen, denn Spender sind treu und sehen eher den guten Zweck als die damit verbundenen Personen. Für manche heiligt der Zweck sogar die Mittel. Auch sind Katholiken durchaus dafür bekannt, dass sie sich durch Beichte und tätige Reue in kürzester Zeit selbst von „Todsünden“ reinigen können. Kann aber auch sein, dass die „Legionäre“ erst einmal alles auf den Tisch legen müssen, bevor ihnen weiter Vertrauen geschenkt wird. Das wäre zu wünschen.

Parteispenden

5. März 2010

Aus geordnetem, ethisch einwandfreiem Fundraising für Parteien wird wohl nie etwas werden. Die Motivationslage ist einfach zu deutlich. Wer Kindern in Haiti hilft, kann Schlechtes dabei denken. Der Spende wird es nichts anhaben. Sie hilft den Kindern. Bei Parteien ist das anders. Wenn die Partei die finstere Absicht eines Spenders erkennt, sich durch eine Zuwendung Vorteile zu verschaffen, darf sie die Spende nicht annehmen. Damit scheiden Zuwendungen von Firmen, Interessengemeinschaften und Verbänden von vornherein aus, ja auch die von Privatpersonen, die nur irgendeinen Vorteil von ihrer Spende haben könnten, etwa der Leute, die Mövenpick besitzen oder den Friseursalon an der Ecke oder des Grundstücks, das einmal Bauland werden könnte, oder der Bevölkerung, die weiter frische Luft zum Atmen und kein Kompostierwerk nebenan haben möchte. Kurzum jedem würde etwas einfallen, warum seine Spende auf keinen Fall angenommen werden darf. Deshalb spenden ja auch die meisten nichts an Parteien. Nun haben aber die Parteien sich selbst auferlegt, Eigenmittel zu beschaffen, damit der Steuerzahler sie mit staatlichen Zuschüssen vergolden kann, sich also sozusagen Matching-Funds genehmigt. Und wo sollen die Eigenmittel herkommen? Nur von den eigenen Mitgliedern? Die werden immer weniger. Nur von denen, die von einer christlichen, liberalen, sozialen, sozialistischen Zukunft träumen? Das kann keine Partei mehr garantieren. Also bleiben doch nur die Zuwendungen aus dem staatlichen Topf. Da gelten für alle die gleichen Regeln, mit denen sich kein Wahlkampfgetöse mehr erzeugen lässt. Schlecht für alle deutschen Obamas, die noch keine Partei und kein Eigenkapital auf ihrer Seite haben. Gut für alle Funktionäre, die von Fundraising eh nie etwas gehalten haben und den Parteien lieber Verfassungsrang ins Grundgesetz schreiben. Damit gehört Parteienfinanzierung zu den staatserhaltenden Maßnahmen. Basta.

Warum sich Wohltäter und Journalisten so nahe stehen

7. Dezember 2009

Für die Redaktion „Zapp“ des Norddeutschen Rundfunks fragte mich die Interviewerin, warum sich Journalisten und Vertreter gemeinnütziger Organisationen so nahe stehen. Die Antwort ist eigentlich einfach und doch kompliziert, weil noch wenige so recht wahrgenommen haben, dass es tatsächlich eine gewisse und für Nonprofit-Organisationen eigentlich günstige Art von Komplizenschaft zwischen Medienschaffenden und Wohltätern gibt. Während normalerweise alles Negative den Nachrichtenwert steigert, besonders natürlich Katastrophen und Fehltritte von Politikern und/oder Prominenten, ist das beim Gutes Tun anders. Hier entspricht es den Erwartungen der Journalisten und der „breiten Öffentlichkeit“, dass das Gute siegt, natürlich nicht ohne Widrigkeiten und Hindernisse, aber letztlich dennoch ein Happy End hat.
Man erlebt es immer wieder in Filmen, dass Gutes gegen unglaubliche Widerstände getan wird und sich schließlich durchsetzt. Das glückliche Paar umarmt sich, die frommen Ordensschwestern sind vor dem Konkurs gerettet, der gute Held hat die Kinder in letzter Minute gerettet. Mitarbeiter wohltätiger Organisationen dienen als Ersatzhelden, die stellvertretend für andere, die das physisch, zeitlich oder fachlich nicht könnten, weltweit oder in der näheren Umgebung Gutes tun. Wenn sie dabei von Medien begleitet werden, sind die Journalisten auch immer Teil der guten Taten und sorgen dafür, dass die Förderer zufrieden sind und neue hinzukommen. Bei Spenden-Galas im Fernsehen werden Wohltäter und Wohltaten-Empfänger oft zusammengebracht, sodass die ebenfalls wohltätigen Zuschauer hautnah miterleben, wie ihre substitutiven Gaben sich auswirken. Das schafft Authentizität.

Ansonsten braucht man nur in jeden beliebige Lokalausgabe von Tages- und Wochenzeitungen zu schauen, um Berichterstattung über wohltätiges Tun auszumachen, nicht nur zur Weihnachtszeit. Überall werden Schecks überreicht, Sponsorenläufe für gute Zwecke veranstaltet, Theaterstücke mit Erlös für gute Zwecke aufgeführt.
Deshalb können Journalisten es nicht zulassen, dass ein paar schwarze Schafe den schönen Schein durchbrechen oder wohltätige Vereine und sonstige Organisationen unter Generalverdacht stehen, mit Geldern, Sachspenden oder ehrenamtlicher Zuarbeit nicht sorgfältig genug umzugehen, nicht vertrauenswürdig zu sein. Dann wird gerne darauf verwiesen, wie verschwenderisch Firmen und die öffentliche Hand mit Geldern umgehen und der Missbrauch von anvertrauten Mitteln bei gemeinnützigen Organisationen sich weit unterhalb des Üblichen bewege.
Journalisten werden gerne selbst zu Helden der Wohltätigkeit und verfügen auch über die Mittel, dies ohne großen eigenen Aufwand einem großen Publikum mitzuteilen. Aktion Mensch, ARD-Fernsehlotterie, Weißer Ring, Cap Anamur sind journalistische Schöpfungen mit großem Erfolg. Jede Zeitung, jeder Seder, der etwas auf sich hält, hat eigene Weihnachtsaktionen.
Es gibt hier für Medienforscher einiges zu untersuchen. Man müsste zum Beispiel beobachten, wie sich Negativberichte über Wohltätigkeitsorganisationen, etwa der von der „Frankfurter Rundschau“ angestoßene Fall UNICEF, auf andere Medien übertragen und  zum  größeren Thema werden.  Meine These ist, dass dies relativ langsam und nicht immer konsequent erfolgt.

Siehe auch http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/spenden120.html

Macht Spenden glücklich?

5. Dezember 2009

Klar. Spenden kann den Empfänger der Spende glücklich machen. Aber wenn

Spenden macht glücklich

Spenden macht glücklich - Ich bin glücklich

die Parole „Spenden macht glücklich“ auf Fundraising-Kongressen und -Fachtagungen auftaucht, meinen die Experten den glücklichen Spender. Macht es das wirklich? Stellt sich der „warm glow“, das innere Wohlgefühl, wirklich ein, wenn man etwas gibt? Ich glaube eher, dass das direkte, selbstlose Helfen, also wenn man jemandem, der sich nicht selbst helfen kann, auf die Beine hilft, wenn man Jugendlichen ein Job vermitteln konnte, wenn man zwei Menschen wieder miteinander versöhnt hat, wenn man die abgelaufene Parkuhr eines Fremden heimlich nachgezahlt hat, als ihm der Strafzettel drohte, wenn man der gestürzten alten Dame Erste Hilfe leistet und sie zum Krankenhaus fährt, wenn man dem idyllischen Stadtviertel einen Betonklotz erspart hat und die Leute dafür dankbar sind – dann stellt sich Wohlgefühl ein. Aber Geld oder Sachspenden geben und innerlich Freudengefühle bekommen? Bei mir hat sich’s in jahrelangen Selbstversuchen nicht ergeben. Ich bin – bedingt auch durch mein lokales Engagement – Mitglied oder Dauerförderer von mehr als dreißig Vereinen, Vorsitzender von zweien, Kassierer eines dritten, Kuratoriumsmitglied eines vierten. Jedes Jahr versuche ich vergeblich, die Liste der Engagements zu kürzen und mich davonzuschleichen. Doch die Zwecke sind alle wichtig, und vor allem wären die Vereine sauer auf mich, wenn ich sie „im Stich“ ließe. In einige bin ich als Fundraising-Berater hineingeraten. Es sah wie ein bezahlter Auftrag aus und endete mit Forderungsverzicht und einer Mitgliedschaft. Die Anliegen sind so toll, die Leute so lieb,  jung und begeistert.

Ich glaube, dass der glückliche Spender eine seltene Spezies ist. Die einen geben, weil sozialer Druck sie dazu treibt, andere aus Mitleid, Dankbarkeit, Engagement für das Anliegen, auch im ganz eigenen Interesse, aus Geltungssucht, Überlegenheitsgefühl – die Psychologen kennen noch eine ganze Reihe weiterer Motive und wissen sie alle zu deuten. Aber Glück und Freude am Spenden an sich, am Gutes Tun? Vielleicht bei denen, die schon alles haben, die Geld im Überfluss besitzen?  Bei denen gerade nicht. Wer sich die Wohltätigkeitsbälle der Reichen ansieht, wird kaum auf die Idee kommen, dass ihnen die bespendeten Anliegen viel bedeuten. Beim Gutes Tun gesehen werden ist alles. Wohltätigkeit als Zeitvertreib. Die Arbeit machen eh die anderen.

Natürlich bin ich lernfähig. Vielleicht haben einige, die diese Zeilen lesen, die Wohltäter/innen mit den begeisterten Augen kennen gelernt. Vielleicht haben Leute wie Henry A. Rosso ihnen erfolgreich beigebracht, auf sanfte Art „the joy of giving“ zu wecken. Vielleicht spielt es auch gar keine Rolle, ob sich jemand an seinen guten Taten erfreut oder eher Gewissensbisse hat, dass er oder sie so leicht und ohne eigene Verluste geben kann. Hauptsache man hilft.