Archive for the ‘Erfahrungsaustausch’ Category

Madonna wollte Mädchenschule gründen

26. März 2011

Mal wieder alles falsch gemacht. Wer meint, mit Geld könne man in Afrika alles kaufen und erreichen, ohne selbst vor Ort zu sein und jeden  Schritt der Umsetzung zu kontrollieren, der erleidet Schiffbruch. Viele kleine und mittlere Organisationen gingen durch dieses Wechselbad der Erfahrung. Einige lösten sich desillusioniert auf, mit Imageschaden auch für die Afrikahilfe insgesamt. Die größeren wissen das bereits. Warum hat sich Madonna nicht einer erfahrenen NGO anvertraut und gleich als Dauerbotschafterin zur Verfügung gestellt? Näheres hier.

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Was sind Social Media?

24. Januar 2011

Immer wieder originell, Jan Uekermanns Fundraising-Podcast. Er ist der Einzige in Deutschland, der sich das zutraut und – mit einigen Pausen – umsetzt. Mail reinhören in seine Interviews zum Thema „Was sind Social Media“ auf dem fundraising2.0 CAMP. Man muss halt aufpassen, dass man aus der virtuellen Welt dann wieder in die reale kommt, zumindest wenn man Spenden sammeln will. Ein unverbindlicher Plausch bei Facebook unter „Freunden“ mit einem „gefällt mir“ unter einem Video über die Lage auf Haiti führt leider noch nicht zur Onlinespende.

Die heimlich Gutes tun

20. Dezember 2010

Marita Haibach hat es wieder auf den Punkt gebracht: Philanthropie ist in Deutschland noch immer eine weitgehend private Tugend. Selbst im Familien- und Freundeskreis ist es unüblich, darüber zu reden, ob und wieviel jemand für welchen Zweck spendet. Im Zeitalter der globalen Kommunikation und der damit gewachsenen Transparenz auch über Vermögen ist stilles Mäzenatentum überholt. Spendenvorbilder bewirken auch  hierzulande das Mit- und Nachziehen anderer Spender. man denke nur an den Boom der Stiftungsgründungen. Die Freude am Spenden und der Spendenkuchen wachsen, wenn es sich dabei um eine Aktivität handelt, über die man spricht und sich austauscht.

Die Anonymität ist in der Tat ein Problem. Niemand will den Neid der anderen und die Aufmerksamkeit der Finanzämter auf sich ziehen. Wer viel spendet, so auch Marita, muss in Deutschland fürchten, dass er deswegen öffentlich „auseinander genommen“ wird. Alle müssen außerdem fürchten, dass sie mit Spendenbitten überschüttet werden. Das allerdings scheint mir kein großes Problem zu sein, weil man ja auch höflich nein sagen kann. Am Besten sagt man Nein unter Hinweis auf Aktivitäten, die man bereits sichtbar und nachweisbar finanziert.

Lästiges Telefonmarketing

20. Dezember 2010

Telefonmarketing will gelernt sein. Wie oft bekomme ich Anrufe, in denen mir für Spenden gedankt wird. Danach folgt fast mechanisch die Frage, ob meine Adresse noch stimmt, vielleicht auch die nach dem Geburtsjahr.  Und dann kommt ebenso regelmäßig die Frage, ob ich nicht noch mehr geben wolle. „Sie spenden für …  jetzt 150 Euro im Jahr. Aber der Winter ist so kalt, die Heizkosten für die Erdbebenopfer auf Haiti so hoch und das Leben so teuer, dass wir Sie fragen möchten, ob es nicht ein bisschen mehr sein kann,“ bittet die freundliche Stimme am anderen Ende, die mir gerade noch gedankt hat und jetzt schon eine ganze Spur weinerlicher klingt. Das Leben wird auch bei mir teurer, und dass die Leute in Haiti jetzt frieren müssen, kann ich aus langjährigem Aufenthalt ganz in der Nähe der von Katastrophen geschüttelten Insel nicht recht nachvollziehen. Ich sage also erstmal nein.

Wie einfach wäre es doch gewesen, mir wirklich nur zu danken und mich zu fragen, ob ich noch Wünsche an … habe.

Manchmal wundere ich mich auch über den Dialekt der Anrufer. Manchmal ist er leicht sächselnd, manchmal klingt er nach Niederbayern. Für Leute im Frankfurter Raum wenig vertrauenserweckend. Warum nimmt man nicht einfach Leute aus dem Raum, in dem die Förderer wohnen? Oder Leute, die Hochdeutsch sprechen. Die Bereitschaft von Angerufenen, sich telefonische Werbung anzuhören, ist ohnehin gering. Warum muss man es ihnen dann auch noch schwer machen und der Organisation teuer?

Trittbrettfahrer

10. August 2010

Der Deutsche Fundraising Verband (DFRV) diskutiert seit langem, ob er Fachverband werden oder Berufsverband bleiben soll. Berufsverband hin, Fachverband her. Welche Nachteile hat man eigentlich, wenn man nicht oder nicht mehr DFRV-Mitglied ist?  Zu meiner Zeit als Vorsitzender habe ich nicht nur die Namen der Eintretenden veröffentlicht, sondern auch die der Austretenden, meist mit Begründung: z.B. Austritt, Ausschluss, Berufsaufgabe, Berufswechsel, Wegzug ins Ausland, Tod. Mit dieser Transparenz haben meine Nachfolger Schluss gemacht, mit der Folge, dass Ausgetretenen und Ausgeschlossenen keine Nachteile entstehen, wenn sie sich den Beitrag sparen. Sie halten weiter Vorträge bei DFRV-Kongressen und Fachtagungen, zehren vom Know-how in Regional-, Fachgruppen und -ausschüssen, bekommen kostenlose PR in DFRV-Publikationen, veröffentlichen dort weiter Artikel, geben Interviews in DFRV-Publikationen und erteilen dem Verband gute Ratschläge. Wenn der einzige Vorteil der Mitgliedschaft darin besteht, ein paar Euro bei Fachveranstaltungen zu sparen, die eh von der Firma gezahlt werden, wird die Mitgliederzahl kaum nennenswert steigen. Gewerkschaften können ein Lied davon singen.

Der Verband braucht sich keine Gedanken zu machen, welche Vorteile eine Mitgliedschaft haben könnte, wenn Mitgliedschaft kein Privileg ist.

Amerika Du hast es besser

21. Juli 2010

Habe gerade die Feldstudie „Grassroots Fundraising in den USA“ von Alexandra Ripken gelesen, erschienen im „Winter 2010“, also mitten im Hochsommer. Alexandra Ripken ist Stipendiatin der Fundraising Akademie. Mit Begeisterung eilte sie in Amerika von Termin zu Termin, von Küste zu Küste, um Fundraiser/innen, die meist den Grassroots entwachsen waren, Community Leaders, Abgeordnete über Grassroots-Fundraising zu befragen.

Es ist immer wieder gut, neue Horizonte in anderen Ländern zu suchen, besonders in den USA und Großbritannien. Ich denke noch an den begeisterten Fundraiser, der in Deutschland Millionen gesammelt hat und sich bei der Begegnung mit Kollegen in New York im Mai vergangenen Jahres gerade erst am Anfang wähnte. Und Storytelling klingt natürlich ganz anders, vor allem wenn es von einem berufsmäßigen Storyteller erläutert wird, als das schlichte Erzählen guter Geschichten aus dem Alltag der Bedürftigen und ihrer selbstlosen Helfer.

Aber all das gibt es in Deutschland natürlich auch. Gute Geschichtenerzähler wie Rupert Neudeck, der fast ausschließlich damit eine Menge Geld gesammelt und seine Schützlinge an und von Bord gebracht hat, gute Graswurzelfundraiser, die Tausende von Sportplätzen, Vereinshallen, Indienhilfen, Pfarrerstellen, Denkmäler, Gesundheitstage, Armenspeisungen vor allem durch Netzwerke und Mundpropaganda erhalten, unterstützen und retten.

Ernüchterung tritt ein, wenn man aus San Francisco, London oder Noordwijkerhout nach Hause zurückkommt und feststellt, dass einen all die schönen motivierenden Erfahrungen, Interviews und Vorträge nicht davor bewahren, ernüchternde Alltagserfahrungen zu machen, vielleicht nicht als Berater/in, aber ganz sicher als Ausführende/r an den Frontlinien des Fundraisings. Deutschland tickt anders, aber nicht unbedingt schlechter.

Verhunzt

7. Mai 2010

Titelseite Fundraiser-Magazin Winter 2009So manche Post wird durch Versandunternehmen verunstaltet. Wer etwa eine Zeitschrift wie das Fundraiser-Magazin so bekommt wie nebenstehend gezeigt, wirft es als Reklamesendung in den Papierkorb – und holt es dann schnell wieder heraus, denn es lohnt die gründliche Lektüre allemal. Titelthema ist diesmal der Einsatz von Prominenten beim Fundraising. Schade dass die zugehörige Titelseite so verdeckt ist.

Verunstaltung von Briefen gibt es auch anderswo, allerdings in anderer Hinsicht. Ich weiß, dass es bequem ist, Spendenbriefe über der Versandadresse mit allen möglichen Förder- und Versandnummern zu „zieren“.   Retouren können so um vieles schneller bearbeitet werden. Niemand darf sich aber über die hohen Wegwerfraten unserer Mailings wundern, wenn den Briefen schon von außen der Massenpostcharakter anzusehen ist mit der tödlichen Botschaft an den Empfänger: Auch Du bist nur eine Nummer. Da kann der Inhalt von personalisierten Elementen wimmeln – „Sie, lieber Herr Müllerleile, unterstützen uns schon seit so vielen Jahren, dass wir …“ – der Brief geht in Ablage P, manchmal nur aus beruflicher Neugier vorher geöffnet, oft aber auch nicht einmal das.

Fundraising komplex optimiert

27. April 2010
„Ziel des Fundraising ist es, ein begrenztes Fundraising-Budget
in diejenige Kombination alternativ zur Verfügung stehender
Fundraising-Maßnahmen zu investieren, die den Gesamterlös
einer Organisation maximiert, nicht nur kurz- sondern auch mittel- und langfristig. Letztlich handelt es sich beim Fundraising
also um ein komplexes Optimierungsproblem.“
Wer sich von einer solchen Seminar-Ankündigung locken lässt, liebe Freunde Arne und Michael, muss ziemlich schon ziemlich verzweifelt sein.

Friendraising – Die eigene Blockade überwinden

30. Januar 2010

Man muss einfach die Amerikaner fragen, um wieder auf dem Boden der Tatsachen des Fundraisings zu kommen. Ungefragt gibt kaum jemand etwas, selbst wenn es sich um die beste Sache der Welt handelt. Menschen wollen gebeten werden, Gutes zu tun, vor allem die Großspender; denn wer ungefragt gibt, ist auch uneingeschränkt mitverantwortlich für das, was mit dem Geld geschieht („Selbst schuld“). Wer gefragt wird und dann gibt, kann immer noch Distanz wahren und auch mal Nein sagen. Mark Lutz, Chef der Großspendenarbeit bei oppurtunity international (oi) in den USA, macht seinen Großspendern, die er zum Teil seit fünfzehn Jahren kennt, deutlich:  „Ich bin dein Freund, aber ich bin es, weil ich Dich nach Geld für eine gute Sache frage. Nicht für mich, sondern für andere“. So beschrieb er beim Fundraising-Treff in Bielefeld die Besonderheit in der Beziehung zwischen ihm und seinen Spendern. Die Menschen, so sein dringender Rat an die deutschen Kollegen, wollen gefragt werden. Das sei seine Aufgabe, seine „passion“. Ganz konkret frage er auf ein Projekt hin. „Du gibst fünftausend Dollar, damit 30 Frauen Arbeit haben. Du bist es, der das erreichen kann! Aber wenn Du nichts gibst, was ist dann mit den 30 Frauen?“ schilderte er in Kurzform einen Dialog. Zum Fragen gehöre sicher auch, die eigene Blockade zu überwinden. Das jedoch, so Lutz, falle leicht. „Man fragt ja nicht für sich, und deshalb ist die Nachfrage nach Spenden auch nicht unverschämt.“ (Quelle: FundStücke Ausgabe 182, 29.01.2010). Und dass das in der Hauptsache direkt per Telefon geht und nicht mit schönen Briefchen aus weiter Ferne, sei hinzugefügt.

Fundraiser im Fernsehen

23. Januar 2010

Ach wären nur alle Fundraiser am Bildschirm so gut wie Jan Uekermann von den Kleinen Brüdern und Schwestern. Klar, präzise, das Wichtigste in die paar Sekunden Redebeitrag hineinstecken, die man vor einem Millionenpublikum hat. Am Besten den Beitrag gleich als Lehrfilm ansehen.

Auch schon deshalb lohnt es sich, seinen Vortrag über Großspendergewinnung auf dem bevorstehenden Fundraising Kongress  zu buchen.