Archive for August 2011

Anrüchiger Dank

30. August 2011

Manchmal gibt es Fundraising-Ideen, bei denen sträuben sich die Nackenhaare. Leider funktionieren sie und ebenso leider nur ein einziges Mal.

Lindsay Boswell berichtet auf der Fundraising-Plattform SOFII von einem Dankmail der britischen Operation Raleigh, einer Benefizorganisationen, die junge Leute ans Ende der Welt führt, um sie zu sich selbst finden zu lassen. Ausgedacht scheinen sich diese wunderbaren Erfahrungen ehemalige Militärs, etwa Colonel John Blashford-Snell, der auch auf der Website abgebildet ist. Offenbar hat es ein erfolgreiches Mailing ihn an Firmen gegeben, und der Dank der Organisation für die Spenden kam auf einem besonderen Medium, nämlich handgeschrieben auf Toilettenpapier. Diese originelle Idee scheint wiederum zahlreiche neue Spenden ausgelöst zu haben, so dass das Dankmailing zu einem der erfolgreichsten der Organisationen wurde.

Leider ist diese schöne Idee nicht beliebig kopierbar. Stellen Sie sich vor, dass jede einigermaßen fortschrittliche deutsche Nonprofit-Organisationen nun Toilettenpapier zum Dank an spendable Firmen schickt. Die Mitarbeiter müssen dann bei jedem Gang zum stillen Örtchen aufpassen, welche gemeinnützige Organisationen sie bei dem nötigen Reinigungsritual gerade vor und gleich wieder hinter sich haben.

Dankmail auf Toilettenpapier

Das Dankmail der Operation Raleigh.

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Don Demidoff ist tot

22. August 2011

Don Demidoff, umstrittener Priester einer unabhängigen katholischen Kirche, begabter Spendensammler und langjähriger Betreiber eines nach dem Salesianer Don Bosco benannten Kinderheims im rumänischen Cincu, ist am 27. Juni 2011 im rumänischen Iacobeni bei Agnita nach einem Herzinfarkt gestorben. Nach Iacobeni hatte er sich aus gesundheitlichen und anderen Gründen zurückgezogen und zuletzt eine von ihm gegründete „Casa Angelorum“ geleitet. Die Beerdigungdes unorthodoxen Wohltäters am 30. Juni auf dem Friedhof von Iacobeni fand unter großem Anteil der Bevölkerung, Behörden und der Geistlichkeit, darunter drei orthodoxe Priester, statt. Die Verwaltung des Demidoff-Nachlasses hat ein Adoptivsohn, Sabin Muntean, übernommen, der angeblich auf die Genehmigung zur Einrichtung eines Kinderheimes wartet. Das ehemalige Kinderheim in Cincu steht dem Vernehmen nach zum Verkauf.

Demidoff hat viel Unterstützung aus protestantischen Kreisen in Rumänien und Deutschland bekommen. Von dort kommen auch die ersten Ansätze einer Hagiografie.

Die meisten Beobachter lassen jedoch kein gute Haar an ihm; einige nutzen den Fall Demidoff jedoch zur allgemeinen Kirchenkritik, was ihre Objektivität nicht über jeden Zweifel erhaben macht. Das „Parteibuch-Lexikon“ schildert ziemlich objektiv und mit vielen Quellenangaben, was über den selbst ernannten Pater bekannt ist.

Lesenswert ist auch der Artikel „Totgesagte leben länger“ von einem konservativen Katholiken, Eberhard Heller.

Grab von Don Demidoff in Iacobeni, Rumänien

Grab von Don Demidoff in Iacobeni im August 2011.