Trittbrettfahrer

Der Deutsche Fundraising Verband (DFRV) diskutiert seit langem, ob er Fachverband werden oder Berufsverband bleiben soll. Berufsverband hin, Fachverband her. Welche Nachteile hat man eigentlich, wenn man nicht oder nicht mehr DFRV-Mitglied ist?  Zu meiner Zeit als Vorsitzender habe ich nicht nur die Namen der Eintretenden veröffentlicht, sondern auch die der Austretenden, meist mit Begründung: z.B. Austritt, Ausschluss, Berufsaufgabe, Berufswechsel, Wegzug ins Ausland, Tod. Mit dieser Transparenz haben meine Nachfolger Schluss gemacht, mit der Folge, dass Ausgetretenen und Ausgeschlossenen keine Nachteile entstehen, wenn sie sich den Beitrag sparen. Sie halten weiter Vorträge bei DFRV-Kongressen und Fachtagungen, zehren vom Know-how in Regional-, Fachgruppen und -ausschüssen, bekommen kostenlose PR in DFRV-Publikationen, veröffentlichen dort weiter Artikel, geben Interviews in DFRV-Publikationen und erteilen dem Verband gute Ratschläge. Wenn der einzige Vorteil der Mitgliedschaft darin besteht, ein paar Euro bei Fachveranstaltungen zu sparen, die eh von der Firma gezahlt werden, wird die Mitgliederzahl kaum nennenswert steigen. Gewerkschaften können ein Lied davon singen.

Der Verband braucht sich keine Gedanken zu machen, welche Vorteile eine Mitgliedschaft haben könnte, wenn Mitgliedschaft kein Privileg ist.

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2 Antworten to “Trittbrettfahrer”

  1. Matthias Daberstiel Says:

    Lieber Dr. Müllerleile,

    sie haben natürlich Recht! Doch wie wird die Mitgliedschaft ein Pivileg? Als closed-Shop wohl kaum. Das sagen Sie selbst, wenn Sie mehr Transparenz anmahnen. Ich suche immer noch den intrinsischen Wert des Funndraisingverbandes. Was verbindet uns als Mitglieder, was würde uns gemeinsam stark machen? Kollegiale Hilfe, Austausch, Diskussion. All das könnte diesen Wert bestimmen. Aber die Bemühungen des Verbandes in diese Richtung waren bisher von wenige Erfolg gekrönt. Es fehlt das Vertrauen und manchmal leider auch die Professionalität.

  2. fundraisingbeobachter Says:

    Lieber Herr Daberstiel,

    nicht als closed shop. Aber wer als Mitglied Leistungen anbietet, zum Beispiel einen Vortrag beim Fundraising-Kongress halten will, sollte vor anderen gleichwertigen Anbietern, die keine Mitglieder sind, bevorzugt werden. Manchmal wird geradezu hektisch nach Propheten vom anderen Stern gesucht, während die Leute im eigenen Hause verkümmern.

    Aus dem Verband könnte mit einem ordentlichen Geschäftsführer etwas werden, der selbstständig entscheiden kann, stets ansprechbar ist und die Übersicht hat. Wer diesen Job machen will, muss anerkannt sein und auf das übliche Gehalt erst einmal verzichten. Solche Leute gibt es. Beim DDV war das Gehalt des Geschäftsführers lange an die Mitgliederentwicklung gebunden. Wenn der Verband Fachverband wird, dürfte mehr Geld aus Mitgliedsbeiträgen reinkommen. Auch hier gilt, dass Firmen, die sich auf Kongressen und Fachtagungen präsentieren wollen, Mitglied sein müssen.

    Herzliche Grüße
    Christoph Müllerleile

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