Amerika Du hast es besser

Habe gerade die Feldstudie „Grassroots Fundraising in den USA“ von Alexandra Ripken gelesen, erschienen im „Winter 2010“, also mitten im Hochsommer. Alexandra Ripken ist Stipendiatin der Fundraising Akademie. Mit Begeisterung eilte sie in Amerika von Termin zu Termin, von Küste zu Küste, um Fundraiser/innen, die meist den Grassroots entwachsen waren, Community Leaders, Abgeordnete über Grassroots-Fundraising zu befragen.

Es ist immer wieder gut, neue Horizonte in anderen Ländern zu suchen, besonders in den USA und Großbritannien. Ich denke noch an den begeisterten Fundraiser, der in Deutschland Millionen gesammelt hat und sich bei der Begegnung mit Kollegen in New York im Mai vergangenen Jahres gerade erst am Anfang wähnte. Und Storytelling klingt natürlich ganz anders, vor allem wenn es von einem berufsmäßigen Storyteller erläutert wird, als das schlichte Erzählen guter Geschichten aus dem Alltag der Bedürftigen und ihrer selbstlosen Helfer.

Aber all das gibt es in Deutschland natürlich auch. Gute Geschichtenerzähler wie Rupert Neudeck, der fast ausschließlich damit eine Menge Geld gesammelt und seine Schützlinge an und von Bord gebracht hat, gute Graswurzelfundraiser, die Tausende von Sportplätzen, Vereinshallen, Indienhilfen, Pfarrerstellen, Denkmäler, Gesundheitstage, Armenspeisungen vor allem durch Netzwerke und Mundpropaganda erhalten, unterstützen und retten.

Ernüchterung tritt ein, wenn man aus San Francisco, London oder Noordwijkerhout nach Hause zurückkommt und feststellt, dass einen all die schönen motivierenden Erfahrungen, Interviews und Vorträge nicht davor bewahren, ernüchternde Alltagserfahrungen zu machen, vielleicht nicht als Berater/in, aber ganz sicher als Ausführende/r an den Frontlinien des Fundraisings. Deutschland tickt anders, aber nicht unbedingt schlechter.

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Eine Antwort to “Amerika Du hast es besser”

  1. Alexandra Ripken Says:

    Hallo, lieber Herr Dr. Müllerleile,
    Danke, dass Sie sich kritisch mit meiner Studie „Grassroots Fundraising in den USA“ auseinander gesetzt haben.
    Seit Ende Februar ist die Studie bereits online, Vorträge gab es dazu bereits im Frühjahr in Jena, Fulda und Frankfurt, weitere stehen in Dresden, Potsdam und Wien an.
    Viele Kollegen formulierten in ihren Rückmeldungen, wie hilfreich für sie die Systematisierung des Grassroots Fundraising war. Mit der Studie haben sie einen Werkzeugkasten erhalten, um diese Form des Empfehlungsfundraising strategisch in ihren Organisationen umsetzen zu können. Angefangen beim persönlichen Gespräch über Website bis hin zu Social Media. Unabhängig davon, ob es sich dabei um eine lokale oder nationale Organisation handelt. Die Studie geht über ein „Best-Pratice“-Beispiel hinaus. Das fanden sie hilfreich.
    In ihrem Feedback betonten die Kollegen, dass sie in Empfehlungsfundraising einen konstruktiven Ansatz sehen, ihr bisheriges Fundraising zu erweitern. Eben gerade mit ihren eigenen Inhalten, Worten und Vorstellungen. Auf diese, ihre eigene Darstellung als Organisation freuen sie sich. Der ist „persönlicher“, individueller, so regional wie es eben geht. Der Vergleich mit Amerika spielt dabei keine Rolle.
    Die Herausforderung ist immer das Örtliche. 🙂 Das wissen Sie und ich als erfahrene Kommunalpolitiker nur zu gut, oder?

    Alles Liebe
    Alexandra Ripken

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