Stadt der Stifter

Frankfurt am Main ist die Stadt mit der höchsten Stifterdichte pro Einwohner in Deutschland. In dieser Woche fand in der Finanzmetropole am Main der Deutsche StiftungsTag statt mit 1.600 Teilnehmern. Und es werden ständig neue Stiftungen gegründet. 2009 gab es laut Bundesverband der Deutschen Stiftungen mit 914 Stiftungen die dritthöchste Anzahl an Neugründungen. Ende des vergangenen Jahres bestanden in Deutschland 17.372 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts; allein in den letzten drei Jahren sind 3.068 hinzugekommen.

Natürlich werden auf solchen Tagungen kaum die Schattenseiten dieses Stiftungsbooms angesprochen. Aber es gibt sie. Während ihrer Tagung durften die Teilnehmer sich in der Presse lesen, wie ein geachteter Frankfurter Stifter dabei ist, seine Reputation und die seiner Umweltstiftung in Frage zu stellen, und wie ein entgeistertes Kuratorium von Familienangehörigen und Freunden des Betagten versucht, der neuen jungen Gattin und dem immer so Großzügigen die Verfügung über das Stiftungskapital streitig zu machen. Wie glaubwürdig sind Stifter, wenn sie das öffentlich der Allgemeinheit versprochene Vermögen schließlich doch behalten oder nur teilweise herausgeben wollen?

Frankfurt ist auch die Stadt eines früheren Kaufhauskönigs, der sein Unternehmen und seine Stiftung mit seiner Wohltätigkeit und seinem Drang nach öffentlicher Anerkennung so in Schwierigkeiten brachte, dass beide nach seinem Tod und dem überfälligen Kassensturz liquidiert werden mussten.

Vielleicht hätte man beim Stiftertag auch darüber diskutieren können, was aus Stiftungsvermögen wird, wenn Staaten bankrottgehen. Denn Stiftungsbooms hat es auch schon früher gegeben, und es sind sicherlich mehr Stiftungen im Laufe der letzten zweihundert Jahre untergegangen als nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründet wurden. Es ist absehbar, dass immer mehr große Stiftungen in Sachwerte investieren, um ihr Vermögen vor Verlusten zu schützen, vielfach auch in Immobilien. Wi wertbeständig die aber sind, dürfen nach den Amerikanern nun gerade die Spanier erfahren.

Und natürlich fragt man sich in Anbetracht der vielen kapitalschwachen Kleinstiftungen, die scharenweise gegründet wurden, ob es sich hier nicht um eine gigantische Vernichtung von Wohltätigkeitskapital handelt. Vieles, was durch Kapitalerträge von zwei bis drei Prozent kleckerweise „gefördert“ werden soll, müsste eigentlich sofort finanziert werden. Verfallende Denkmale, aus Geldmangel wegfallende Seelsorgsstellen,  Kindertagesstätten, Pädagogische Konzepte mit hohem Personalbedarf  können nicht 50 Jahre warten, bis Beträge zusammengekommen sind, die besser gleich zur Verfügung gestellt worden wären. Es gibt genügend Möglichkeiten, jetzt und sofort wohltätig zu sein statt einer Nachhaltigkeit von Kapital das Wort zu reden, die es nicht gibt. Wohltätige Stiftungen sind immer gerechtfertigt, wenn fünfzig Mal mehr Geld zur  Verfügung steht als innerhalb eines Jahres verbraucht werden kann. Sonst sind Sonderfonds und sich verzehrende unselbstständige Stiftungen einfach besser.

Doch genug der Kritik. Herzlichen Glückwunsch an den Träger des Stiftungspreises. Wenigstens fließen die Verbandsbeiträge nicht in eine Stiftung, sondern werden sofort und sinnstiftend für das Heute verzehrt.

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