Archive for April 2010

Fundraising komplex optimiert

27. April 2010
„Ziel des Fundraising ist es, ein begrenztes Fundraising-Budget
in diejenige Kombination alternativ zur Verfügung stehender
Fundraising-Maßnahmen zu investieren, die den Gesamterlös
einer Organisation maximiert, nicht nur kurz- sondern auch mittel- und langfristig. Letztlich handelt es sich beim Fundraising
also um ein komplexes Optimierungsproblem.“
Wer sich von einer solchen Seminar-Ankündigung locken lässt, liebe Freunde Arne und Michael, muss ziemlich schon ziemlich verzweifelt sein.

Wenn der Gründer ein Betrüger ist

11. April 2010

Die „Legionäre Christi“ sind seit einigen Jahren auch auf dem deutschen Spendenmarkt aktiv. Sie werben mit einem kostbaren Gut, das in der katholischen Kirche immer rarer wird: Der erfolgreichen Förderung von Priesternachwuchs. Dass es sich um einen besonders konservativen Orden handelt, gibt ihm in der Kirche ein Nischendasein, ist aber in den Augen seiner zahlreichen Förderer ein weiteres Plus.

Nun durchlebt die Organisation seit einiger Zeit einen Gau sondersgleichen. Immer deutlicher wird, dass der Ordensgründer möglicherweise ein Straftäter war, der aber, da seit zwei Jahren verstorben, nicht mehr belangt werden und sich auch nicht mehr selbst wehren kann. Allerdings versuchen auch die „Legionäre“ mit Macht, sich von dem Mann zu distanzieren, zu dem sie alle aufgeschaut haben, der ein charismatischer Führer und Verführer war, dem offenbar auch viele wohlhabende Damen und Herren verfallen waren, ein Fundraiser, wie man ihn sich im Bilderbuch malen könnte, doch bei näherem Hinsehen wohl ein Betrüger von hohen Graden. Pater Marcial Maciel  wird unter anderem die Vergewaltigung von Minderjährigen, darunter seines eigenen Sohnes vorgeworfen. Er soll darüber hinaus unter falschem Namen ein Doppelleben geführt, Kinder mit mehreren Frauen gehabt, seine frommen Traktate bei anderen abgeschrieben, Spendengelder freizügig in sein eigenes Luxusleben gesteckt haben. Papst Johannes Paul II. war sein besonderer Gönner und Benedikt XVI. in seiner früheren Funktion als Leiter der Glaubenskongregation seit langem Mitwisser. Erst 2006, als der Druck zu groß wurde, musste er sich von seinen  Funktionen bei den „Legionären“ zurückziehen. Dabei hatten Reporter der US-Tageszeitung „Hartfort Courant“ schon 1997 Vernichtendes über ihn veröffentlicht. Bei seinem Tod soll er ein Privatvermögen von über 20 Millionen Dollar hinterlassen haben, berichtet der „stern“ am 8. April 2010.

Kann sein, dass die „Legionäre“ aus der Affäre gut herauskommen, denn Spender sind treu und sehen eher den guten Zweck als die damit verbundenen Personen. Für manche heiligt der Zweck sogar die Mittel. Auch sind Katholiken durchaus dafür bekannt, dass sie sich durch Beichte und tätige Reue in kürzester Zeit selbst von „Todsünden“ reinigen können. Kann aber auch sein, dass die „Legionäre“ erst einmal alles auf den Tisch legen müssen, bevor ihnen weiter Vertrauen geschenkt wird. Das wäre zu wünschen.