Archive for Januar 2010

Friendraising – Die eigene Blockade überwinden

30. Januar 2010

Man muss einfach die Amerikaner fragen, um wieder auf dem Boden der Tatsachen des Fundraisings zu kommen. Ungefragt gibt kaum jemand etwas, selbst wenn es sich um die beste Sache der Welt handelt. Menschen wollen gebeten werden, Gutes zu tun, vor allem die Großspender; denn wer ungefragt gibt, ist auch uneingeschränkt mitverantwortlich für das, was mit dem Geld geschieht („Selbst schuld“). Wer gefragt wird und dann gibt, kann immer noch Distanz wahren und auch mal Nein sagen. Mark Lutz, Chef der Großspendenarbeit bei oppurtunity international (oi) in den USA, macht seinen Großspendern, die er zum Teil seit fünfzehn Jahren kennt, deutlich:  „Ich bin dein Freund, aber ich bin es, weil ich Dich nach Geld für eine gute Sache frage. Nicht für mich, sondern für andere“. So beschrieb er beim Fundraising-Treff in Bielefeld die Besonderheit in der Beziehung zwischen ihm und seinen Spendern. Die Menschen, so sein dringender Rat an die deutschen Kollegen, wollen gefragt werden. Das sei seine Aufgabe, seine „passion“. Ganz konkret frage er auf ein Projekt hin. „Du gibst fünftausend Dollar, damit 30 Frauen Arbeit haben. Du bist es, der das erreichen kann! Aber wenn Du nichts gibst, was ist dann mit den 30 Frauen?“ schilderte er in Kurzform einen Dialog. Zum Fragen gehöre sicher auch, die eigene Blockade zu überwinden. Das jedoch, so Lutz, falle leicht. „Man fragt ja nicht für sich, und deshalb ist die Nachfrage nach Spenden auch nicht unverschämt.“ (Quelle: FundStücke Ausgabe 182, 29.01.2010). Und dass das in der Hauptsache direkt per Telefon geht und nicht mit schönen Briefchen aus weiter Ferne, sei hinzugefügt.

Fundraiser im Fernsehen

23. Januar 2010

Ach wären nur alle Fundraiser am Bildschirm so gut wie Jan Uekermann von den Kleinen Brüdern und Schwestern. Klar, präzise, das Wichtigste in die paar Sekunden Redebeitrag hineinstecken, die man vor einem Millionenpublikum hat. Am Besten den Beitrag gleich als Lehrfilm ansehen.

Auch schon deshalb lohnt es sich, seinen Vortrag über Großspendergewinnung auf dem bevorstehenden Fundraising Kongress  zu buchen.

Weg mit den Spam-Filtern

21. Januar 2010

Jüngst habe ich gerade wieder feststellen müssen, dass alle meine Post an eine bestimmte Adresse im Spam-Filter landete und gleich zurückgewiesen wurde. Beim Nachschauen fand ich heraus, dass der Spam-Filter des Rathauses einer Pariser Vorstadt jegliche Post, die über den Provider T-Online lief, als Spam einstufte. Aber nicht nur das. Ähnliche Meldungen erhalten ich öfter vom Rathaus der eigenen Stadt und anderen Kommunalbehörden. Wie beruhigend, dass sich öffentliche Verwaltungen dubiosen Spam-Jägern anvertrauen, von denen sie ihre Post zwischenfiltern lassen. Denn auch sie sortieren Post über T-Online automatisch als Spam aus. Bei T-Online reagiert der Support darauf hilflos bis zynisch. Jetzt lasse ich meine Mail jetzt über alle möglichen Provider laufen, immer in der Hoffnung, dass es ihnen nicht wie T-Online, einem der größten Anbieter im Lande, ergeht. Ich benutze nur den Spamfilter meiner E-Mail-Software. Die kann ich einstellen, und bei der kann ich im Spam-Postfach laufend nachsehen, ob sie richtig justiert ist. Externe Spamfilter kommen mir nicht ins Haus. Ich bitte ja auch nicht meinen Briefträger, mir doch gefälligst nur noch Post zuzustellen, die nicht wie unerwünschte Werbung aussieht.

Haiti – Hilflose Helfer

21. Januar 2010

Angesichts der Katastrophe in Haiti, der Hilflosigkeit der Helfer und der einzigen Hoffnung, nämlich auf ein umfassendes Eingreifen der Staatsmächte, kommt man schon ins Grübeln, was die Effektivität von Spenden angeht. Bei der Hilfe nach den größten öffentlichen Katastrophen der jüngsten Zeit, der globalen Finanzkrise,  der Kriege rund um den Kongo mit Millionen von Opfern, der Tsunami-Welle von 2006, den Anschlägen von 11. September 2001, spielten Spenden eine eher untergeordnete Rolle. Letztlich war es stets staatliches Eingreifen, das die Zukunft rettete. 230.000 Tote des Tsunami und 200.000 oder mehr in Haiti haben von den Spenden nichts mehr. Beim Wiederaufbau ist Geld nicht alles. Im Gegenteil erhöht finanzielle Hilfe fast automatisch die Preise ins Unerschwingliche. Bankrotte Staaten werden von staatlichen Hilfen vor Chaos, Bürgerkrieg und Untergang gerettet, nicht mehr von den Selbsthilfekräften der eigenen Bewohner oder Spenden Auswärtiger. Wenn die USA jetzt einen Marshall-Plan für Haiti aufstellen – auch um sich vor Millionen von Flüchtlingen zu schützen – spielen NGOs sicherlich bei der Verteilung eine Rolle, aber nicht bei der Bildung von Infrastruktur und dauerhaft gesicherten Verhältnissen. Keine NGO wird die Bewohner Haitis veranlassen können, beim Wiederaufbau endlich auf Erdbebesicherheit zu achten und für eine gerechte Verteilung der Fördermittel zu sorgen. Die größte Enttäuschung der Haitianer und ihrer ausländischen Helfer in diesem und im letzten Jahrzehnt war ausgerechnet ein Salesianer-Pater, der sich dann  doch nur fast wie Papa Doc aufführte.