Warum sich Wohltäter und Journalisten so nahe stehen

Für die Redaktion „Zapp“ des Norddeutschen Rundfunks fragte mich die Interviewerin, warum sich Journalisten und Vertreter gemeinnütziger Organisationen so nahe stehen. Die Antwort ist eigentlich einfach und doch kompliziert, weil noch wenige so recht wahrgenommen haben, dass es tatsächlich eine gewisse und für Nonprofit-Organisationen eigentlich günstige Art von Komplizenschaft zwischen Medienschaffenden und Wohltätern gibt. Während normalerweise alles Negative den Nachrichtenwert steigert, besonders natürlich Katastrophen und Fehltritte von Politikern und/oder Prominenten, ist das beim Gutes Tun anders. Hier entspricht es den Erwartungen der Journalisten und der „breiten Öffentlichkeit“, dass das Gute siegt, natürlich nicht ohne Widrigkeiten und Hindernisse, aber letztlich dennoch ein Happy End hat.
Man erlebt es immer wieder in Filmen, dass Gutes gegen unglaubliche Widerstände getan wird und sich schließlich durchsetzt. Das glückliche Paar umarmt sich, die frommen Ordensschwestern sind vor dem Konkurs gerettet, der gute Held hat die Kinder in letzter Minute gerettet. Mitarbeiter wohltätiger Organisationen dienen als Ersatzhelden, die stellvertretend für andere, die das physisch, zeitlich oder fachlich nicht könnten, weltweit oder in der näheren Umgebung Gutes tun. Wenn sie dabei von Medien begleitet werden, sind die Journalisten auch immer Teil der guten Taten und sorgen dafür, dass die Förderer zufrieden sind und neue hinzukommen. Bei Spenden-Galas im Fernsehen werden Wohltäter und Wohltaten-Empfänger oft zusammengebracht, sodass die ebenfalls wohltätigen Zuschauer hautnah miterleben, wie ihre substitutiven Gaben sich auswirken. Das schafft Authentizität.

Ansonsten braucht man nur in jeden beliebige Lokalausgabe von Tages- und Wochenzeitungen zu schauen, um Berichterstattung über wohltätiges Tun auszumachen, nicht nur zur Weihnachtszeit. Überall werden Schecks überreicht, Sponsorenläufe für gute Zwecke veranstaltet, Theaterstücke mit Erlös für gute Zwecke aufgeführt.
Deshalb können Journalisten es nicht zulassen, dass ein paar schwarze Schafe den schönen Schein durchbrechen oder wohltätige Vereine und sonstige Organisationen unter Generalverdacht stehen, mit Geldern, Sachspenden oder ehrenamtlicher Zuarbeit nicht sorgfältig genug umzugehen, nicht vertrauenswürdig zu sein. Dann wird gerne darauf verwiesen, wie verschwenderisch Firmen und die öffentliche Hand mit Geldern umgehen und der Missbrauch von anvertrauten Mitteln bei gemeinnützigen Organisationen sich weit unterhalb des Üblichen bewege.
Journalisten werden gerne selbst zu Helden der Wohltätigkeit und verfügen auch über die Mittel, dies ohne großen eigenen Aufwand einem großen Publikum mitzuteilen. Aktion Mensch, ARD-Fernsehlotterie, Weißer Ring, Cap Anamur sind journalistische Schöpfungen mit großem Erfolg. Jede Zeitung, jeder Seder, der etwas auf sich hält, hat eigene Weihnachtsaktionen.
Es gibt hier für Medienforscher einiges zu untersuchen. Man müsste zum Beispiel beobachten, wie sich Negativberichte über Wohltätigkeitsorganisationen, etwa der von der „Frankfurter Rundschau“ angestoßene Fall UNICEF, auf andere Medien übertragen und  zum  größeren Thema werden.  Meine These ist, dass dies relativ langsam und nicht immer konsequent erfolgt.

Siehe auch http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/spenden120.html

Advertisements

Eine Antwort to “Warum sich Wohltäter und Journalisten so nahe stehen”

  1. Spenden für die Welt – eine andere Wahrnehmung « der mosaistische reflektor Says:

    […] Gutgläubigkeit ersterer und das Vertrauen in die Medien wird dabei schamlos ausgenutzt. Ohne ausreichende Informationen scheinen die Spender geneigt, den […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: