Macht Spenden glücklich?

Klar. Spenden kann den Empfänger der Spende glücklich machen. Aber wenn

Spenden macht glücklich

Spenden macht glücklich - Ich bin glücklich

die Parole „Spenden macht glücklich“ auf Fundraising-Kongressen und -Fachtagungen auftaucht, meinen die Experten den glücklichen Spender. Macht es das wirklich? Stellt sich der „warm glow“, das innere Wohlgefühl, wirklich ein, wenn man etwas gibt? Ich glaube eher, dass das direkte, selbstlose Helfen, also wenn man jemandem, der sich nicht selbst helfen kann, auf die Beine hilft, wenn man Jugendlichen ein Job vermitteln konnte, wenn man zwei Menschen wieder miteinander versöhnt hat, wenn man die abgelaufene Parkuhr eines Fremden heimlich nachgezahlt hat, als ihm der Strafzettel drohte, wenn man der gestürzten alten Dame Erste Hilfe leistet und sie zum Krankenhaus fährt, wenn man dem idyllischen Stadtviertel einen Betonklotz erspart hat und die Leute dafür dankbar sind – dann stellt sich Wohlgefühl ein. Aber Geld oder Sachspenden geben und innerlich Freudengefühle bekommen? Bei mir hat sich’s in jahrelangen Selbstversuchen nicht ergeben. Ich bin – bedingt auch durch mein lokales Engagement – Mitglied oder Dauerförderer von mehr als dreißig Vereinen, Vorsitzender von zweien, Kassierer eines dritten, Kuratoriumsmitglied eines vierten. Jedes Jahr versuche ich vergeblich, die Liste der Engagements zu kürzen und mich davonzuschleichen. Doch die Zwecke sind alle wichtig, und vor allem wären die Vereine sauer auf mich, wenn ich sie „im Stich“ ließe. In einige bin ich als Fundraising-Berater hineingeraten. Es sah wie ein bezahlter Auftrag aus und endete mit Forderungsverzicht und einer Mitgliedschaft. Die Anliegen sind so toll, die Leute so lieb,  jung und begeistert.

Ich glaube, dass der glückliche Spender eine seltene Spezies ist. Die einen geben, weil sozialer Druck sie dazu treibt, andere aus Mitleid, Dankbarkeit, Engagement für das Anliegen, auch im ganz eigenen Interesse, aus Geltungssucht, Überlegenheitsgefühl – die Psychologen kennen noch eine ganze Reihe weiterer Motive und wissen sie alle zu deuten. Aber Glück und Freude am Spenden an sich, am Gutes Tun? Vielleicht bei denen, die schon alles haben, die Geld im Überfluss besitzen?  Bei denen gerade nicht. Wer sich die Wohltätigkeitsbälle der Reichen ansieht, wird kaum auf die Idee kommen, dass ihnen die bespendeten Anliegen viel bedeuten. Beim Gutes Tun gesehen werden ist alles. Wohltätigkeit als Zeitvertreib. Die Arbeit machen eh die anderen.

Natürlich bin ich lernfähig. Vielleicht haben einige, die diese Zeilen lesen, die Wohltäter/innen mit den begeisterten Augen kennen gelernt. Vielleicht haben Leute wie Henry A. Rosso ihnen erfolgreich beigebracht, auf sanfte Art „the joy of giving“ zu wecken. Vielleicht spielt es auch gar keine Rolle, ob sich jemand an seinen guten Taten erfreut oder eher Gewissensbisse hat, dass er oder sie so leicht und ohne eigene Verluste geben kann. Hauptsache man hilft.

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