Eduard Zimmermann und der Weiße Ring

Am 19. September ist Eduard Zimmermann in München in einem Altersheim gestorben. Ich war 1976/77 in der Deutschen Kriminal-Fachredaktion, seiner Firma im Mainzer Stadtteil Finthen, persönlicher Assistent und Sendungsredakteur, bevor mich die CDU nach Bonn ins Konrad-Adenauer-Haus lockte.

Just in diese Zeit fiel die Gründung des „Weißen Rings“, der 1976 zunächst als „Weißes Kreuz“ beim Amtsgericht Mainz eingetragen wurde. Bei einem Blick in ein Lexikon stellte eines der damaligen Vorstandsmitglieder dann fest, dass das Weiße Kreuz schon für einen evangelischen Erweckungsverein stand, der zwar weitgehend unbekannt war, sich aber gegen eine bundesweite Organisation gleichen Namens mit Sicherheit zur Wehr gesetzt hätte. Bernd Funke,  Ehemann der Redaktionssekretärin und Redakteur der „Allgemeinen Zeitung“ in Mainz, kam auf den Namen „Weißer Ring“, und Zimmermanns Stellvertreter Peter Hohl malte gleich das Vereinssymbol auf ein Blatt Papier, das bis heute benutzt wird. Der Ring war auch viel neutraler als das christliche Kreuz.

Dass der Geschäftsmann Eduard Zimmermann einen gemeinnützigen Verein gründete, löste bei uns Redakteuren Stirnrunzeln aus; wir hatten den Eindruck, er wolle mit dem Verein seine langlebigen Sendungsreihen „Aktenzeichen XY…ungelöst“ und „Vorsicht Falle“ vor Kritikern, die es auch innerhalb des ZDF gab, retten. Dass daraus eine erfolgreiche Opferhilfeorganisation wurde, ist eine Erfolgsstory für sich. Zimmermann hoffte auf 10.000 Mitglieder. Der Verein hat heute rund 60.000 und sich sogar auf einige europäische Nachbarländer ausgedehnt.

Zimmermann gelang es, eine stattliche Riege von Polizeipräsidenten, Oberstaatsanwälten und höheren Ministerialbeamten um sich zu sammeln, die später auch im Ruhestand zur Verfügung standen und das Werk für die Sicherheitsbehörden seriös machten. Zimmermann brachte seine Prominenz als Fernsehmoderator, Buchautor und gelegentlicher Redner ein. Achtzehn Jahre lang führte er selbst den Vorsitz und wurde danach Ehrenvorsitzender. Im Oktober 2000 lieferte er gemeinsam mit dem Mitbegründer, Baden-Württembergs ehemaligem Polizeipräsidenten Alfred Stümper, dem damaligen Vorsitzenden Max Herberg  wegen angeblichem Spendenmissbrauchs eine Schlammschlacht. Die Delegierten beendeten das Vorstandsmandat von allen Dreien und erkannten Zimmermann den Ehrenvorsitz ab. Daraufhin trat er aus dem Verein aus. Eine wahrhaft tragische Wendung. In den offiziellen Analen des Vereins wird der Gründer eher verschämt erwähnt, das Zerwürfnis kaum erwähnt.

Zimmermann konnte ein begnadeter Spendensammler sein, wenigstens in den Anfängen des „Weißen Rings“; später finanzierte sich der Verein fast von alleine, schon durch die steigende Mitgliederzahl. Anfangs aber nutzte er Prominente als Türöffner, brachte natürlich auch seine eigene Bekanntheit mit ein. Aus eigenem Antrieb schrieb der damalige Sprecher der Deutschen Bank, Friedrich Wilhelm Christians, Briefe an Vorstandsvorsitzende großer Unternehmen, zum Beispiel Thyssen und Mannesmann, mit der Bitte, Eduard Zimmermann ein paar Minuten ihrer Zeit zu widmen. Zimmermann suchte sie auf und nahm von jedem eine ganz ordentliche Summe mit, reale Spenden, mit denen der Verein seine Geschäftsstelle aufbauen und Mitarbeiter einstellen konnte. Dann brauchte nur noch in der Sendung kräftig für den Opferhilfeverein geworben zu werden und die Polizei dafür zu sorgen, dass der Kontakt zu den örtlichen Beauftragten des Weißen Rings nicht abriss, und schon hatte der Verein fast ein bundesweites Monopol, das von keiner Parallel- oder Gegengründung, von denen es einige gab, mehr eingeholt wurde.

Mitverantwortlich für den Erfolg des Vereins war auch der langjährige Generalsekretär Dieter Eppenstein, der vom Roten Kreuz zum Weißen Ring kam und später in den Strudel der Auseinandersetzungen um Zimmermann geriet und mehr oder minder freiwillig ausschied. Eppenstein wurde auch als streitbarer und umstrittener Vorsitzender des Deutschen Spendenrats bekannt. CM

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