Archive for August 2009

Kießling ist tot – seine Verleumder leben

29. August 2009

General a. D. Günter Kießling ist tot. „Kießlings Name wurde zum Synonym für eine der peinlichsten deutschen Politaffären“, schreibt die „Welt“ heute. „Dass der westdeutsche Militärische Abschirmdienst (MAD) seinen unrühmlichen Anteil daran hatte, ist unstrittig. Nicht gänzlich geklärt ist, ob die Stasi die Desinformationen über vermeintliche homosexuelle Umtriebe Kießlings lancierte. Der damalige Verteidigungsminister Manfred Wörner (CDU) schenkte ihnen jedenfalls anfänglich Glauben.“ Dabei nahm Wörner auch Zuflucht zu zweifelhaften Gestalten der homosexuellen Szene und bekam „erdrückende Beweise“ aus den Kölner Lokalen „Tom Tom“ und „Café Wüsten“, die sich als haltlos herausstellten. Kießling war offenbar einer Verwechselung zum Opfer gefallen, möglicherweise auch einer Stasi-Intrige. Der MAD aber sah sich in der Pflicht, seine „Zeugen“ in Sicherheit zu bringen. Einer davon lebt jetzt als „Wohltäter“ im Ausland und sammelte zumindest zeitweise eifrig Spenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In seinen Memoiren steht wenig über diesen dunklen Teil seiner Vergangenheit. Und es besteht auch wenig Interesse an Aufklärung, solange der Mann nicht wieder in der deutschen Spendenszene auftaucht. Wenn aber doch, dann wird von Interesse sein, wer dem prozessfreudigen Mann öffentlich Fragen stellt.

Schnelle Einbürgerung dank Ehrenamt

25. August 2009

Großbritanniens Freiwilligenagenturen laufen Sturm gegen ein Gesetz, das die Einbürgerung von Ausländern nach  Großbritannien beschleunigt, wenn sie sich für gemeinnützige Zwecke freiwillig betätigen. Nach der Borders, Immigration and Citizenship Act, die im Juli Gesetz wurde, können Migranten, die seit mindestens fünf Jahren im Lande wohnen, durch freiwiillige Betätigung schon nach sechs statt regulär nach acht Jahren einen britischen Pass bekommen. Nun befürchten die Vermittler von Freiwilligen, dass sich Migranten quasi unter Zwang gesetzt sehen, unentgeltlich zu helfen, jedoch überhaupt nicht genügend Nachfrage nach so vielen hilfsbereiten Migranten besteht. Dadurch müssten womöglich hilfsbereite Ausländer abgewiesen werden, mit allen Nachteilen, die sie dafür bei der Berücksichtigung ihrer Einbürgerung erlitten. Das Ehrenamt degeneriere zur Arbeit mit Gegenleistung; das stelle das Freiwilligensystem in Großbritannien auf den Kopf. Jetzt wolle man mit den Gesetzgebern reden, damit das Gesetz geändert wird.

Es verwundert doch, dass die Hüter der Freiwilligkeit mit ihrem Wunsch nach Gesprächen erst jetzt kommen. In Deutschland gehen Gesetzgebungen lange Anhörungen voraus, und wahrscheinlich würde bei uns ein Gesetz in dieser Form nicht verabschiedet.

Warum noch kein DZI-Siegel für UNICEF?

20. August 2009

Am 20. Februar 2008 gab das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) bekannt, dass es dem Deutschen Komitee für UNICEF das Spenden-Siegel entzogen habe. Nach einem Vorstandswechsel und transparenterem Jahresbericht hätten viele erwartet, dass UNICEF das Siegel bald wieder bekommt. Aber im aktuelle Verzeichnis vom August 2009 ist das Hilfswerk immer noch nicht unter den 249 Siegelinhabern. Kann es sein, dass Unicef das Siegel noch nicht beantragt hat? Kann es sein, dass UNICEF das Siegel garnicht mehr für erforderlich hält, um an Spenden zu gelangen? Groß waren die Einbrüche trotz der „Affäre“ sowieso nicht. Oder ist das Hilfswerk wieder durch die Ritzen der DZI-Ansprüche gefallen? Wer kein Siegel beantragt, dem kann es weder verweigert oder entzogen werden. Es wird Zeit, dass die Zertifizierung für alle gilt, die aus ihrem Gemeinnutz steuerliche Vorteile ziehen, und nicht nur für die, die es unbedingt brauchen. Die Neuzugänge, die das „Bulletin 1/09“ des DZI meldet, sind nicht gerade berauschend. Der bekannteste ist die Hilfsaktion Märtyrerkirche vom Bodensee, die in die Jahre gekommen ist. Das Deutsche Rote Kreuz und der Deutsche Caritasverband sind nur mit den Bundesverbänden, nicht aber mit hunderten von selbstständigen Teileinheiten vertreten; zurückhalten ist auch die Diakonie. Arbeiter Samariterbund und Malteser fehlen völlig. Die Deutsche Behindertenhilfe – Aktion Mensch und Stiftung Deutsches Hilfswerk sehen offenbar keinen Grund, sich das Siegel anzutun, der Deutsche Vereins für öffentliche und private Fürsorge sowieso nicht. Die Liste lässt sich unendlich verlängern.

Warum spenden wir?

19. August 2009

Es ist sehr verdienstvoll, wenn sich das Maecenata Institut der Frage nach der Spendenmotivation und dem Spendenverhalten intensiver annimmt und dabei eng mit dem Wissenschaftszentrum Berlin zusammenarbeitet. Vertreter aus den Bereichen Evolutionsbiologie, Ökonomie, Soziologie, Politikwissenschaft, Theologie und Psychologie sind für 28. und 29. September 2009 zu einem Workshop nach Berlin eingeladen. Aus evolutionsbiologischer Perspektive wird grundsätzlich nach den Wurzeln von Empathie und pro-sozialem Handeln gefragt – das Stichwort „egoistisches vs. kooperatives Gen“ wird hierbei im Vordergrund stehen. Jüngste Entwicklungen in der experimentellen Wirtschaftsforschung haben neues Licht auf die Phänomene von Altruismus und Reziprozität geworfen, das im Rahmen des Forums für die Spendenproblematik fruchtbar gemacht werden soll. Hieran anknüpfend soll aus psychologischer Sicht nach den kognitiven, moralischen und identitären Wurzeln empathischen und pro-sozialen Handelns gefragt werden. Wir kommen also dem glücklichen Spender auf die Spur. Beim Workshop kommen auch Theologen und Soziologen nicht zu kurz. Sie haben die Diskussion zum Thema in den letzten Jahren bestimmt. Wer sich wissenschaftlich mit dem Spenden auseinandersetzt, sollte sich die Tagung nicht entgehen lassen. Näheres steht hier.

US-Fundraiser pessimistisch

14. August 2009
Noch nie seit Beginn des Philanthropic Giving Index (PGI) des Center on Philanthropy der Indiana University im Jahre 1989 haben sich Fundraiser in den USA so pessimistisch über die aktuellen Aussichten des Fundraisings geäußert wie Ende 2008. Auch Mitte 2009 meinten noch 86 Prozent der Untersuchungsteilnehmer, dass die Wirtschaft gegenwärtig einen negativen oder sehr negativen Einfluss auf das Fundraising ausübe. Fast 60 Prozent erwarteten, dass diese negative Auswirkung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den nächsten sechs Monaten anhält, während 23 Prozent hofften, die Entwicklung der Wirtschaft werde während dieser Zeit einen positiven Einfluss ausüben.
Die Erwartungen der Fundraiser an die Entwicklung sind optimistischer als noch vor sechs Monate, bleiben aber unter dem Mittelwert von 82,1 Prozent während des 11-jährigen Zeitraums der Vergleichsstudie. Der Philanthropic Giving Index (PGI), der ähnlich dem US-Verbrauchervertrauensindex aufgebaut ist, stützt sich allerdings nur auf die Angaben eines repräsentativ ausgewählten Querschnitts von 188 Fundraisern und Fundraising-Beratern.
Die höchsten Erwartungen an die Verbesserungen des Fundraising-Klimas bestehen bei Fundraisern in religiösen, bildungsbezogenen und Gesundheitsorganisationen und bei deren Beratern. Am niedrigsten sind sie bei Fundraising-Experten gesellschaftlicher, umwelt- und tierschutzbezogener und auf internationale Hilfe ausgerichteter Organisationen, künstlerischer Gruppen und sozialer Einrichtungen.
Externe Berater von Non-Profit-Organisationen sind deutlich pessimistischer, als angestellte Fundraiser.
57 Prozent der Fundraiser behaupteten, ihre Organisationen hätten 2008 mehr Geld oder zumindest die gleichen Summen wie 2007 erhalten, während 39 Prozent das Gegenteil feststellten.
Ähnliche Ergebnisse brachte die 8. Jährliche State-of-Fundraising Survey der Association of Fundraising Professonals (AFP), bei der knapp 46 Prozent der teilnehmenden Organisationen angaben, 2008 mehr Spenden als 2007 eingenommen zu haben, der niedrigste Wert in den acht Jahren, seit die Untersuchung läuft. 40 Prozent der Organisationen gaben an, weniger als 2007 bekommen zu haben, mehr als in den Jahren zuvor. 14 Prozent sprachen von ungefährem Gleichstand.
Für Deutschland gibt es solche Untersuchungen nicht. Es würde sich aber auf jeden Fall lohnen, wenn zum Beispiel der Fundraising Verband solche Indizes für die Zukunft schaffen könnte. Eine gute Grundlage wäre eine repräsentative Beteiligung an der Benchmark-Studie des Verbands.
Noch nie seit Beginn der Erhebung des Philanthropic Giving Index (PGI) des Center on Philanthropy der Indiana University im Jahre 1989 haben sich Fundraiser in den USA so pessimistisch über die aktuellen Aussichten des Fundraisings geäußert wie Ende 2008. Auch Mitte 2009 meinten noch 86 Prozent der Untersuchungsteilnehmer, dass die Wirtschaft gegenwärtig einen negativen oder sehr negativen Einfluss auf das Fundraising ausübe. Fast 60 Prozent erwarteten, dass diese negative Auswirkung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den nächsten sechs Monaten anhält, während 23 Prozent hofften, die Entwicklung der Wirtschaft werde während dieser Zeit einen positiven Einfluss ausüben.
Die Erwartungen der Fundraiser an die Entwicklung sind optimistischer als noch vor sechs Monate, bleiben aber unter dem Mittelwert von 82,1 Prozent während des 11-jährigen Zeitraums der Vergleichsstudie. Der Philanthropic Giving Index (PGI), der ähnlich dem US-Verbrauchervertrauensindex aufgebaut ist, stützt sich allerdings nur auf die Angaben eines repräsentativ ausgewählten Querschnitts von 188 Fundraisern und Fundraising-Beratern.
Die höchsten Erwartungen an die Verbesserungen des Fundraising-Klimas bestehen bei Fundraisern in religiösen, bildungsbezogenen und Gesundheitsorganisationen und bei deren Beratern. Am niedrigsten sind sie bei Fundraising-Experten gesellschaftlicher, umwelt- und tierschutzbezogener und auf internationale Hilfe ausgerichteter Organisationen, künstlerischer Gruppen und sozialer Einrichtungen.
Externe Berater von Non-Profit-Organisationen sind deutlich pessimistischer, als angestellte Fundraiser.
57 Prozent der Fundraiser behaupteten, ihre Organisationen hätten 2008 mehr Geld oder zumindest die gleichen Summen wie 2007 erhalten, während 39 Prozent das Gegenteil feststellten.
Ähnliche Ergebnisse brachte die 8. Jährliche State-of-Fundraising Survey der US-Berufsvereinigung Association of Fundraising Professonals (AFP), bei der knapp 46 Prozent der teilnehmenden Organisationen angaben, 2008 mehr Spenden als 2007 eingenommen zu haben, der niedrigste Wert in den acht Jahren, seit die Untersuchung läuft. 40 Prozent der Organisationen gaben an, weniger als 2007 bekommen zu haben, mehr als in den Jahren zuvor. 14 Prozent sprachen von ungefährem Gleichstand.
Für Deutschland gibt es solche Untersuchungen nicht. Es würde sich aber auf jeden Fall lohnen, wenn zum Beispiel der Fundraising Verband solche Indizes für die Zukunft schaffen könnte. Eine gute Grundlage wäre eine repräsentative Beteiligung an der Benchmark-Studie des Verbands.

Fundraiser mit Einfluss

14. August 2009
Professionelle Fundraiser entwickeln sich zu ganz eigenständigen Persönlichkeiten, die sogar „Einfluss“ haben können. Alljährlich fragt das britische Fachmagazin „Professional Fundraising“ die Fundraisingwelt in Großbritannien, wer denn die zurzeit einflussreichste Person im Fundraising sei. Daraus ergibt sich dann ein Ranking von 50 offenbar bekannten Leuten. In diesem Jahr ist die Zahl der Consultants, die es unter die Top 50 geschafft haben, auf 19 geklettert, gegenüber 15 im Vorjahr. Die meisten anderen sind Angestellte von NGOs, und die werden im Schnitt weitaus mehr als einflussreich bewertet als die Berater.
Natürlich gibt es auch ein paar Einflussreiche, meist Consultants, die sich auch auf deutschen Kongressen oder dem Internationalen Kongress im niederländischen Noordwijkerhout tummeln, zum Beispiel Alan Clayton von der Good Agency auf Platz 11 (Vorjahr Platz 7), der eine tolle Show liefert, alles in bestem Schottisch, und der sich in seiner Agentur „Director of Innovation“ nennt. Auf Platz 19 landete Bernard Ross von The Management Center, der gerade ein bezeichnendes Buch über „The Influential Fundraiser“ geschrieben hat. Das bewahrte ihn allerdings nicht davor, von Platz 10 abzurutschen. Howard Lake, Verleger, schaffte es auf Platz 25 (16). Altmeister Ken Burnett kletterte von Platz 41 im Vorjahr auf 27, Tony Elischer dagegen stieg von Platz 6 auf 30 ab.
Auf Platz 1 setzten die britischen Fundraiser erstmals schlicht den „Donor“, den Spender selbst also, der angeblich am meisten Einfluss auf das Fundraising hat. Nun ist jeder natürlich gespannt, wie der Sieger im nächsten Jahr abschneidet.
Professionelle Fundraiser entwickeln sich zu ganz eigenständigen Persönlichkeiten, die sogar „Einfluss“ haben können. Alljährlich fragt das britische Fachmagazin „Professional Fundraising“ die Fundraisingwelt in Großbritannien, wer denn die zurzeit einflussreichste Person im Fundraising sei. Daraus ergibt sich dann ein Ranking von 50 offenbar bekannten Leuten. In diesem Jahr ist die Zahl der Consultants, die es unter die Top 50 geschafft haben, auf 19 geklettert, gegenüber 15 im Vorjahr. Die meisten anderen sind Angestellte von NGOs, und die werden im Schnitt weitaus mehr als einflussreich bewertet als die Berater.
Natürlich gibt es auch ein paar Einflussreiche, meist Consultants, die sich auch auf deutschen Kongressen oder dem Internationalen Kongress im niederländischen Noordwijkerhout tummeln, zum Beispiel Alan Clayton von der Good Agency auf Platz 11 (Vorjahr Platz 7), der eine tolle Show liefert, alles in bestem Schottisch, und der sich in seiner Agentur „Director of Innovation“ nennt. Auf Platz 19 landete Bernard Ross von The Management Center, der gerade ein bezeichnendes Buch über „The Influential Fundraiser“ geschrieben hat. Das bewahrte ihn allerdings nicht davor, von Platz 10 abzurutschen. Howard Lake, Verleger, schaffte es auf Platz 25 (16). Altmeister Ken Burnett kletterte von Platz 41 im Vorjahr auf 27, Tony Elischer dagegen stieg von Platz 6 auf 30 ab.
Auf Platz 1 setzten die britischen Fundraiser erstmals schlicht den „Donor“, den Spender selbst also, der angeblich am meisten Einfluss auf das Fundraising hat. Nun ist jeder natürlich gespannt, wie der Sieger im nächsten Jahr abschneidet.

Karlheinz Schreiber und das Baumeister-Opfer

6. August 2009
Brigitte Baumeister und Dietmar Brück: Welchen Preis hat die Macht? Eine Frau zwischen Kohl und Schäuble. Die Ex-Schatzmeisterin und die schwarzen Kassen der CDU. München: Heyne, 2004, 287 S., ISBN 3-453-88102-8, Û € 18,00.
Nehmen wir an, der Schatzmeister einer Nonprofit-Organisation würde zu einem Förderer gerufen, bekäme einen Umschlag in die Hand gedrückt, in dem er Geld vermutete, lieferte den Umschlag aber nach ein paar Tagen ungeöffnet beim Vereinsvorsitzenden ab, bekäme vom Vereinsvorsitzenden nach Öffnung des Umschlags den Inhalt, 100.000 Mark in bar, in die Hand gedrückt und würde gebeten, den Betrag möglichst rasch als Spende verbuchen zu lassen, ohne dass dabei der Name des Spenders auftauchen sollte. Gesagt, getan, die Angelegenheit wäre geräuschlos erledigt.
Nicht so bei einer Partei. Die gesetzlich auferlegten Hürden für die Entgegennahme von Spenden sind hoch. Da bekommt nach einem Fundraising-Dinner mit dem Parteivorsitzenden die Schatzmeisterin den Anruf eines der Beteiligten, sie möge doch möglichst bald bei ihm vorbeikommen. Die Angesprochene vermutet eine Geldzuwendung, richtet sich einen passenden Termin für die Durchreise beim mutmaßlichen Wohltäter ein, nimmt einen Umschlag, der an den Vorsitzenden adressiert ist, ohne Hinweise auf den Inhalt, entgegen, vermutet Geld, lässt den Umschlag erst einmal ein paar Tage im Auto liegen – es ist schließlich Wahlkampf und man hat anderes zu tun –, übergibt ihn dann dem Vorsitzenden, der wieder ein paar Tage verstreichen lässt, nimmt vom Vorsitzenden Bargeld in Höhe von 100.000 Mark entgegen mit der Anweisung, das Geld als Spende zu verbuchen, wobei der Spender offenkundig nicht in Erscheinung treten wolle, übergibt das Geld ihrem Büroleiter, der es in den Bürotresor steckt und erst nach Monaten an den Steuerberater der Partei weiterreicht, der das Geld dem Vorgänger der Schatzmeisterin übergibt. Im Rechenschaftsbericht der Partei taucht der Betrag schließlich unter „sonstige Einnahmen“ auf.
Das Buch von Frau Baumeister ist deshalb so lesenswert, weil die Autorin nachzuvollziehen versucht, wie es zur Verschleierung der Spende und damit zum mehrfachen Gesetzesbruch kam. Die Vielbeschäftigte hatte schlicht versucht, die problematische Barzuwendung aus dem Kopf zu verdrängen im Vertrauen darauf, dass die bewährten Helfer in Spendenfragen es schon richten würden. Dabei verbietet das Gesetz die Entgegennahme anonymer Spenden und von Einflussspenden. Die Zuwendung hätte sofort dem Bundestagspräsidenten angezeigt werden, von diesem entsprechend öffentlich gemacht und im Rechenschaftsbericht der Partei mit Spendernamen aufgeführt werden müssen.
Dass der Spender, der berühmte Waffenhändler Karlheinz Schreiber aus Kaufering, keine Spendenquittung haben und damit die Spende auch nicht steuermindernd geltend machen wollte, spielt keine Rolle. Auch nicht, dass er keine Gründe für die beträchtliche Zuwendung nannte. Die damalige CDU-Bundesschatzmeisterin Brigitte Baumeister stand unter Druck. Der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Helmut Kohl hatte sie zur obersten Spendensammlerin der Partei berufen, die brav die Rechenschaftsberichte der Partei abzeichnen, aber ansonsten keinen Einfluss auf die Finanzgebaren der Partei nehmen sollte. Baumeister nahm aber Einfluss und beendete die Zusammenarbeit der CDU mit dem Vertriebsexperten Hans Müller, dessen Handelsvertreter bundesweit als Spendeneintreiber unterwegs waren. Das Spenden Sammeln bescherte Müller eine traumhafte Provision von vierzig Prozent, vertraglich garantierte Exklusivität für das Abkassieren der lukrativsten Unternehmen und hohe Ablösesummen bei vorzeitiger Auflösung des Vertrags. Baumeister musste sich als erfolgreiche Spendensammlerin beweisen, die die Einbußen nach der Kaltstellung Müllers kompensieren konnte. Im Hintergrund lauerte der abgesetzte, aber immer noch mächtige Generalbevollmächtigte ihres Vorgängers und der undurchsichtige Finanzberater,  der nach außen den unabhängigen Wirtschaftsprüfer spielte.
Dass sich aus der 100.000 Mark-Spende ein tiefes Zerwürfnis zwischen Frau Baumeister und dem Kohl-Nachfolger im Amt des CDU-Vorsitzenden, Dr. Wolfgang Schäuble, entwickelte, bietet interessanten Lesestoff. Für die Profession der Fundraiser ist der tiefe Einblick in die Fallstricke des parteispezifischen Spendensammelns wichtig.
Ähnliches wie unter Baumeister kann sich auch heute wiederholen, denn nach wie vor sind die Verantwortungsbereiche der Bundes-, Landes-, Kreis- und Ortsschatzmeister, der Finanzbeauftragten der Bundes- und Landespartei, die die Schatzmeister kontrollieren sollen, der jeweiligen Vorsitzenden, die die Gesamtverantwortung für die Parteien tragen, der Generalsekretäre, die die politische Linie bestimmen, der Geschäftsführer auf den jeweiligen Parteiebenen in Bezug auf Einnahmen und Ausgaben der Partei mehr als flexibel. Die Schatzmeister sind zum Erfolg verdammt, den ihnen das selbst auferlegte Parteiengesetz und die strengen Finanzstatuten der Parteien gründlich verwehren. Die Bundesebene muss den Atem anhalten, dass bis in die Ortsebene hinein sauber und gesetzestreu gearbeitet wird, was so gut wie unmöglich und für die jeweiligen Amtsinhaber mit großem Risiko verbunden ist.
Ein aufschlussreiches Buch, das jeder, der sich mit Spendenethik befasst, aufmerksam lesen sollte. (CM)
Karlheinz Schreiber wird bald der Prozess gemacht. Eine darf sich Hoffnung machen, dass nun Licht in eine unappetitliche Affäre kommt, die ihre Karriere nachhaltig zerstört hat, die frühere Bundeschatzmeisterin der CDU, Brigitte Baumeister. Da ich sie und andere Protagonisten mehr oder weniger gut kannte – Kohl, Schäuble, Kiep, Weyrauch, Lütje – ist die Affäre für mich ein déjà vu. Es lohnt sich für Fundraiser und Schatzmeister, in Baumeisters 2004 veröffentlichtes Buch hineinzuschauen (Brigitte Baumeister und Dietmar Brück: Welchen Preis hat die Macht? Eine Frau zwischen Kohl und Schäuble. Die Ex-Schatzmeisterin und die schwarzen Kassen der CDU. München: Heyne, 2004, 287 S., ISBN 3-453-88102-8, Û € 18,00.). In „Fundraising aktuell“ Mai 2004 schrieb ich dazu:
„Nehmen wir an, der Schatzmeister einer Nonprofit-Organisation würde zu einem Förderer gerufen, bekäme einen Umschlag in die Hand gedrückt, in dem er Geld vermutete, lieferte den Umschlag aber nach ein paar Tagen ungeöffnet beim Vereinsvorsitzenden ab, bekäme vom Vereinsvorsitzenden nach Öffnung des Umschlags den Inhalt, 100.000 Mark in bar, in die Hand gedrückt und würde gebeten, den Betrag möglichst rasch als Spende verbuchen zu lassen, ohne dass dabei der Name des Spenders auftauchen sollte. Gesagt, getan, die Angelegenheit wäre geräuschlos erledigt.
Nicht so bei einer Partei. Die gesetzlich auferlegten Hürden für die Entgegennahme von Spenden sind hoch. Da bekommt nach einem Fundraising-Dinner mit dem Parteivorsitzenden die Schatzmeisterin den Anruf eines der Beteiligten, sie möge doch möglichst bald bei ihm vorbeikommen. Die Angesprochene vermutet eine Geldzuwendung, richtet sich einen passenden Termin für die Durchreise beim mutmaßlichen Wohltäter ein, nimmt einen Umschlag, der an den Vorsitzenden adressiert ist, ohne Hinweise auf den Inhalt, entgegen, vermutet Geld, lässt den Umschlag erst einmal ein paar Tage im Auto liegen – es ist schließlich Wahlkampf und man hat anderes zu tun –, übergibt ihn dann dem Vorsitzenden, der wieder ein paar Tage verstreichen lässt, nimmt vom Vorsitzenden Bargeld in Höhe von 100.000 Mark entgegen mit der Anweisung, das Geld als Spende zu verbuchen, wobei der Spender offenkundig nicht in Erscheinung treten wolle, übergibt das Geld ihrem Büroleiter, der es in den Bürotresor steckt und erst nach Monaten an den Steuerberater der Partei weiterreicht, der das Geld dem Vorgänger der Schatzmeisterin übergibt. Im Rechenschaftsbericht der Partei taucht der Betrag schließlich unter „sonstige Einnahmen“ auf.
Das Buch von Frau Baumeister ist deshalb so lesenswert, weil die Autorin nachzuvollziehen versucht, wie es zur Verschleierung der Spende und damit zum mehrfachen Gesetzesbruch kam. Die Vielbeschäftigte hatte schlicht versucht, die problematische Barzuwendung aus dem Kopf zu verdrängen im Vertrauen darauf, dass die bewährten Helfer in Spendenfragen es schon richten würden. Dabei verbietet das Gesetz die Entgegennahme anonymer Spenden und von Einflussspenden. Die Zuwendung hätte sofort dem Bundestagspräsidenten angezeigt werden, von diesem entsprechend öffentlich gemacht und im Rechenschaftsbericht der Partei mit Spendernamen aufgeführt werden müssen.
Dass der Spender, der berühmte Waffenhändler Karlheinz Schreiber aus Kaufering, keine Spendenquittung haben und damit die Spende auch nicht steuermindernd geltend machen wollte, spielt keine Rolle. Auch nicht, dass er keine Gründe für die beträchtliche Zuwendung nannte. Die damalige CDU-Bundesschatzmeisterin Brigitte Baumeister stand unter Druck. Der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Helmut Kohl hatte sie zur obersten Spendensammlerin der Partei berufen, die brav die Rechenschaftsberichte der Partei abzeichnen, aber ansonsten keinen Einfluss auf die Finanzgebaren der Partei nehmen sollte. Baumeister nahm aber Einfluss und beendete die Zusammenarbeit der CDU mit dem Vertriebsexperten Hans Müller, dessen Handelsvertreter bundesweit als Spendeneintreiber unterwegs waren. Das Spenden Sammeln bescherte Müller eine traumhafte Provision von vierzig Prozent, vertraglich garantierte Exklusivität für das Abkassieren der lukrativsten Unternehmen und hohe Ablösesummen bei vorzeitiger Auflösung des Vertrags. Baumeister musste sich als erfolgreiche Spendensammlerin beweisen, die die Einbußen nach der Kaltstellung Müllers kompensieren konnte. Im Hintergrund lauerte der abgesetzte, aber immer noch mächtige Generalbevollmächtigte ihres Vorgängers und der undurchsichtige Finanzberater,  der nach außen den unabhängigen Wirtschaftsprüfer spielte.
Dass sich aus der 100.000 Mark-Spende ein tiefes Zerwürfnis zwischen Frau Baumeister und dem Kohl-Nachfolger im Amt des CDU-Vorsitzenden, Dr. Wolfgang Schäuble, entwickelte, bietet interessanten Lesestoff. Für die Profession der Fundraiser ist der tiefe Einblick in die Fallstricke des parteispezifischen Spendensammelns wichtig.
Ähnliches wie unter Baumeister kann sich auch heute wiederholen, denn nach wie vor sind die Verantwortungsbereiche der Bundes-, Landes-, Kreis- und Ortsschatzmeister, der Finanzbeauftragten der Bundes- und Landespartei, die die Schatzmeister kontrollieren sollen, der jeweiligen Vorsitzenden, die die Gesamtverantwortung für die Parteien tragen, der Generalsekretäre, die die politische Linie bestimmen, der Geschäftsführer auf den jeweiligen Parteiebenen in Bezug auf Einnahmen und Ausgaben der Partei mehr als flexibel. Die Schatzmeister sind zum Erfolg verdammt, den ihnen das selbst auferlegte Parteiengesetz und die strengen Finanzstatuten der Parteien gründlich verwehren. Die Bundesebene muss den Atem anhalten, dass bis in die Ortsebene hinein sauber und gesetzestreu gearbeitet wird, was so gut wie unmöglich und für die jeweiligen Amtsinhaber mit großem Risiko verbunden ist.
Ein aufschlussreiches Buch, das jeder, der sich mit Spendenethik befasst, aufmerksam lesen sollte.“
Interessant sind auch Berichte aus der „Zeit“ aus den Jahren der Spendenaffäre. Mehr dazu hier.

Maecenata: Spannende Zukunft

6. August 2009
Spannende Zukunft
Das Maecenata begeht in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Rupert Graf Strachwitz war damals angetreten mit der Vorstellung, Grundlagenarbeit, Beratung und Dienstleistungen für Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen anzubieten und damit auch Geld zu verdienen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für das von ihm gegründete gemeinnützige Maecenata-Institut. Seine Erfahrungen lagen in der gemeinnützigen Arbeit, und da gab es wahrhaftig genug zu beraten und zu begleiten. Nur Zahlen wollten wenige, denn alle taten ja nur Gutes. Dass ein nicht geringer Teil derjenigen, die heute Gutes tun, davon auch leben müssen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber noch viel mehr. Maecenata GmbH, Maecenata International e.V. und Maecenata-Institut haben bewiesen, dass man gemeinnützige Forschungsarbeit leisten kann, ohne parteiisch zu sein. Vielleicht fiel es ihm deshalb so schwer, große Partner zu finden, die den Unabhängigen auf Dauer fördern wollten. Auch zum Bundesverband Deutscher Stiftungen gab es stets eine gewisse Distanz.
Konsequenterweise hat sich das Institut mit einer angesehenen staatlichen Einrichtung, der Humboldt-Universität in Berlin, verbunden und ist jetzt ein An-Institut, dass sich aber, wie der Gründer schreibt, „nach wie vor in einer prekären finanziellen Situation“ befindet. Die Arbeit wird von Stiftungen und Gönnern finanziert, wenn auch nicht kontinuierlich.
Auf Dauer ist die schöne Idee von der absoluten Staatsferne eine Illusion. Auch in dem für Deutschland in vielen Fällen genutzten Vorbild Großbritannien ist der Staat Regulator und in hohem Maße Geldgeber für den Nonprofit-Sektor. Auch in den USA ist der dritte Sektor keineswegs staatsfrei, wenn auch mit öffentlichen Mitteln stets gegeizt wird. Der Staat fördert jede Gabe für wohltätige Zwecke mit großzügigen Steuererleichterungen, reguliert die Transparenz der Gaben über die Finanzbehörde IRS und droht immer wieder mit noch schärferen Kontrollen, wenn Spendenskandale ruchbar werden, die in den USA eher häufiger vorkommen als bei uns.
Eine dauerhafte Forschung im Nonprofit-Sektor in Deutschland ohne staatliche Unterstützung ist kaum denkbar. Universitäre Einrichtungen können Forschung auf Dauer absichern, staatliche Subventionen können kontinuierliche Spendenforschung, beispielsweise unter dem Dach des DZI, ermöglichen, Gesetze können regulieren und schützen. Wir sehen das gerade an den fehlenden Sammlungsgesetzen, die die meisten Bundesländer zur Vermeidung überflüssigen Bürokratieaufwands gestrichen haben. Der graue Markt der Spenden-Akquisiteure wendet sich den Bundesländern zu, in denen die Sammlungskontrollen am laschesten gehandhabt werden, und meidet andere wie Rheinland-Pfalz, in denen es funktionierende Kontrollen gibt und auch Kontrolleure, die warnende Hinweise an die Öffentlichkeit nicht scheuen und oft die einzige Handhabe für lokale Behörden in anderen Bundesländern geben, unlautere Sammlungen wenigstens örtlich zu verbieten.
Eines der Hauptprobleme der Förderer bürgerschaftlichen Engagements wird jetzt darin bestehen, den Menschen den Glauben an die Allmacht des Staates wieder zu nehmen. Die jüngste Finanzkrise hätte in die große finanzielle Katastrophe gemündet, hätten die Regierungen Europas und der USA wie auch der anderen Welthandelsmächte nicht sofort ins Finanzsystem eingegriffen und zu Lasten künftiger Generationen Mittel und Bürgschaften eingeschossen, von denen sich viele Bürger fragen, woher sie so plötzlich kommen. In Deutschland sind ungeheure staatliche Konjunkturprogramme aufgelegt worden. Wer jetzt nach dem privaten Sektor und den Philanthropen gerufen hätte, wäre ausgelacht worden.
So kann es sein, dass bürgerschaftliches Engagement und Philanthropie bei uns weiterhin nur das Tüpfelchen auf dem i bleiben, das sich eine luxusverwöhnte Gesellschaft dann leistet, wenn sie schon alles hat  und der Staat momentan wirklich nicht gebraucht wird. Dass das auf Dauer der Fall sein wird, ist eher unwahrscheinlich.
Rupert Graf Strachwitz hätte also besser von einer Sisyphos-Aufgabe oder einer Herkules-Arbeit reden können, wenn er auf 20 Jahre Maecenata zurückblickt. Sie wird nicht enden und immer schwer bleiben.Das Maecenata begeht in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Rupert Graf Strachwitz war damals angetreten mit der Vorstellung, Grundlagenarbeit, Beratung und Dienstleistungen für Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen anzubieten und damit auch Geld zu verdienen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für das von ihm gegründete gemeinnützige Maecenata-Institut. Seine Erfahrungen lagen in der gemeinnützigen Arbeit, und da gab es wahrhaftig genug zu beraten und zu begleiten. Nur Zahlen wollten wenige, denn alle taten ja nur Gutes. Dass ein nicht geringer Teil derjenigen, die heute Gutes tun, davon auch leben müssen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber noch viel mehr. Maecenata GmbH, Maecenata International e.V. und Maecenata-Institut haben bewiesen, dass man gemeinnützige Forschungsarbeit leisten kann, ohne parteiisch zu sein. Vielleicht fiel es ihm deshalb so schwer, große Partner zu finden, die den Unabhängigen auf Dauer fördern wollten. Auch zum Bundesverband Deutscher Stiftungen gab es stets eine gewisse Distanz.
Maecenata begeht in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Rupert Graf Strachwitz war damals angetreten mit der Vorstellung, Grundlagenarbeit, Beratung und Dienstleistungen für Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen anzubieten und damit auch Geld zu verdienen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für das von ihm gegründete gemeinnützige Maecenata-Institut. Seine Erfahrungen lagen in der gemeinnützigen Arbeit, und da gab es wahrhaftig genug zu beraten und zu begleiten. Nur Zahlen wollten wenige, denn alle taten ja nur Gutes. Dass ein nicht geringer Teil derjenigen, die heute Gutes tun, davon auch leben müssen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber noch viel mehr. Maecenata GmbH, Maecenata International e.V. und Maecenata-Institut haben bewiesen, dass man gemeinnützige Forschungsarbeit leisten kann, ohne parteiisch zu sein. Vielleicht fiel es ihm deshalb so schwer, große Partner zu finden, die den Unabhängigen auf Dauer fördern wollten. Auch zum Bundesverband Deutscher Stiftungen gab es stets eine gewisse Distanz.
Konsequenterweise hat sich das Institut mit einer angesehenen staatlichen Einrichtung, der Humboldt-Universität in Berlin, verbunden und ist jetzt ein An-Institut, dass sich aber, wie der Gründer schreibt, „nach wie vor in einer prekären finanziellen Situation“ befindet. Die Arbeit wird von Stiftungen und Gönnern finanziert, wenn auch nicht kontinuierlich.
Auf Dauer ist die schöne Idee von der absoluten Staatsferne eine Illusion. Auch in dem für Deutschland in vielen Fällen genutzten Vorbild Großbritannien ist der Staat Regulator und in hohem Maße Geldgeber für den Nonprofit-Sektor. Auch in den USA ist der dritte Sektor keineswegs staatsfrei, wenn auch mit öffentlichen Mitteln stets gegeizt wird. Der Staat fördert jede Gabe für wohltätige Zwecke mit großzügigen Steuererleichterungen, reguliert die Transparenz der Gaben über die Finanzbehörde IRS und droht immer wieder mit noch schärferen Kontrollen, wenn Spendenskandale ruchbar werden, die in den USA eher häufiger vorkommen als bei uns.
Eine dauerhafte Forschung im Nonprofit-Sektor in Deutschland ohne staatliche Unterstützung ist kaum denkbar. Universitäre Einrichtungen können Forschung auf Dauer absichern, staatliche Subventionen können kontinuierliche Spendenforschung, beispielsweise unter dem Dach des DZI, ermöglichen, Gesetze können regulieren und schützen. Wir sehen das gerade an den fehlenden Sammlungsgesetzen, die die meisten Bundesländer zur Vermeidung überflüssigen Bürokratieaufwands gestrichen haben. Der graue Markt der Spenden-Akquisiteure wendet sich den Bundesländern zu, in denen die Sammlungskontrollen am laschesten gehandhabt werden, und meidet andere wie Rheinland-Pfalz, in denen es funktionierende Kontrollen gibt und auch Kontrolleure, die warnende Hinweise an die Öffentlichkeit nicht scheuen und oft die einzige Handhabe für lokale Behörden in anderen Bundesländern geben, unlautere Sammlungen wenigstens örtlich zu verbieten.
Eines der Hauptprobleme der Förderer bürgerschaftlichen Engagements wird jetzt darin bestehen, den Menschen den Glauben an die Allmacht des Staates wieder zu nehmen. Die jüngste Finanzkrise hätte in die große finanzielle Katastrophe gemündet, hätten die Regierungen Europas und der USA wie auch der anderen Welthandelsmächte nicht sofort ins Finanzsystem eingegriffen und zu Lasten künftiger Generationen Mittel und Bürgschaften eingeschossen, von denen sich viele Bürger fragen, woher sie so plötzlich kommen. In Deutschland sind ungeheure staatliche Konjunkturprogramme aufgelegt worden. Wer jetzt nach dem privaten Sektor und den Philanthropen gerufen hätte, wäre ausgelacht worden.
So kann es sein, dass bürgerschaftliches Engagement und Philanthropie bei uns weiterhin nur das Tüpfelchen auf dem i bleiben, das sich eine luxusverwöhnte Gesellschaft dann leistet, wenn sie schon alles hat  und der Staat momentan wirklich nicht gebraucht wird. Dass das auf Dauer der Fall sein wird, ist eher unwahrscheinlich.
Rupert Graf Strachwitz hätte also besser von einer Sisyphos-Aufgabe oder einer Herkules-Arbeit reden können, wenn er auf 20 Jahre Maecenata zurückblickt. Sie wird nicht enden und immer schwer bleiben.

Geschichten erzählen

6. August 2009

In den schönsten und ertfolgreichsten Mails werden Geschichten erzählt, die wahr sind und zu Herzen gehen. “Storytelling – Von der Kunst, Emotionen zu wecken” ist das Thema eines Erfahrungsaustausches, zu dem swissfundraising, der Berufsverband der Schweizer Fundraiser, für 18. August nach Bern einlädt. Referent ist  Patrick Rohr,  Kommunikationsberater und Autor des Buches “Reden wie ein Profi”.

Der Erfahrungsaustausch findet von 11.15 bis 13.30 Uhr im Auditorium der Krebsliga Schweiz, Effingerstrasse 40, Bern (Tram Nr. 5 „Fischermätteli“ bis „Kaufmännischer Verband“) statt.

Storytelling  heißt, Geschichten gezielt, bewusst und gekonnt einzusetzen, um wichtige Inhalte besser verständlich zu machen, um das Lernen und Mitdenken der Zuhörer nachhaltig zu unterstützen, um Ideen zu streuen, geistige Beteiligung zu fördern und damit der Kommunikation eine neue Qualität hinzuzufügen.

Für einen potentiellen Spender ist es interessant, von den Begünstigten selbst zu erfahren, was eine Leistung einer Organisation für sie bedeutet. Ein Spendenaufruf gewinnt durch einen solchen Beitrag eines Betroffenen, einer Begünstigten an Authentizität und das Berichtete an Glaubwürdigkeit.

Wer Interesse hat, kann sich bis Freitag, 14. August anmelden über die Webseite von swissfundraising.

“Storytelling – Von der Kunst, Emotionen zu wecken” ist das Thema eines Erfahrungsaustausches, zu dem swissfundraising, der Berufsverband der Schweizer Fundraiser, einlädt. Referent ist  Patrick Rohr,  Kommunikationsberater und Autor des Buches “Reden wie ein Profi”.
Der Erfahrungsaustausch findet am Dienstag, 18. August 09, von 11.15 bis 13.30 Uhr im Auditorium der Krebsliga Schweiz, Effingerstrasse 40, Bern (Tram Nr. 5 „Fischermätteli“ bis „Kaufmännischer Verband“) statt.
Storytelling  heisst, Geschichten gezielt, bewusst und gekonnt einzusetzen, um wichtige Inhalte besser verständlich zu machen, um das Lernen und Mitdenken der Zuhörer nachhaltig zu unterstützen, um Ideen zu streuen, geistige Beteiligung zu fördern und damit der Kommunikation eine neue Qualität hinzuzufügen.
Für einen potentiellen Spender ist es interessant, von den Begünstigten selbst zu erfahren, was eine Leistung einer Organisation für sie bedeutet. Ein Spendenaufruf gewinnt durch einen solchen Beitrag eines Betroffenen, einer Begünstigten an Authentizität und das Berichtete an Glaubwürdigkeit.
Wer Interesse hat, kann sich bis Freitag, 14. August anmelden über die Webseite von swissfundraising

Rückzug

4. August 2009

Die Schweizerische dm.m ag legt ihre Tätigkeit in Deutschland in die Hände der Mutter AZ Direct und zieht sich in die Schweiz zurück. Der Markt wird enger in Deutschland, vor allem für Berater und Agenturen. Wie gut, dass uns die deutsch-schweizerische Zusammenarbeit dennoch erhalten bleibt.