Archive for Juli 2009

Spenden in Deutschland

29. Juli 2009
Ich lese gerade das interessante Werk „Spenden in Deutschland – Analysen, Konzepte, Perspektiven“ von Eckhard Priller und Jana Sommerfeld. In den letzten Jahren hat sich auf dem Gebiet der Spendenforschung einiges getan, vor allem dank Priller und Sommerfeld und der im Buch publizierenden Autoren.
Der Beitrag „Spendermotive und Spendenpotenziale“ zeigt, dass sich weder das eine noch das andere mit Telefonumfragen ermitteln lässt. Ich hatte Herrn H. schon davor gewarnt, als er noch mit der damaligen BSM, heute Fundraising Verband, darüber sprach. Als ich ihn später um Zahlen für einen Vortrag beim Fundraising Kongress bat, hat er den Hörer aufgelegt. So weit zum Thema Dialogfähigkeit.
Spendermotivation sind sehr vielschichtig. Kaum jemand wird am Telefon sagen, dass er gibt, weil er Wert darauf legt, dass sein Name in der Zeitung zu lesen ist oder weil es ihm aus gesellschaftlichen Gründen opportun erscheint oder weil für die undankbaren Erben nichts bleiben soll oder weil er von Freunden dazu gedrängt wird. Genauso wenig werden wirkliche Altruisten sagen, sie seien eben so gestrickt, dass sie Mitleid mit allem und jedem haben, ohne zu wissen warum. Die Geizigen werden nicht zugeben, dass sie geizig sind. Schon wenn ich jemandem am Telefon erklären wollte, was ich mit Spenden meine, etwa auch Sach- und Zeitspenden, den Euro für die Spendenbüchse in der Tankstelle, die Elternspende für die Klassenkasse, aber nicht den Kauf von UNICEF-Karten oder im Wohltätigkeitsbasar, würden viele nicht mehr zuhören. Ich selbst könnte am Telefon spontan nicht sagen, wie viel ich in den vergangenen 12 Monaten gespendet habe.
Da sind die Ansätze der Markt- und Zielgruppenbeobachtung der GfK interessanter und zuverlässiger, auch wenn sie niedrigere Spendenbereitschaft und -summen signalisieren als etwa der Emnids Spendenmonitor, der ganz auf die subjektive Einschätzung der Befragten baut. GfK hat große Erfahrung mit dem Monitoring. Hier kommen auch die Einschaltquoten fürs Fernsehen her. Wer würde einem Interviewer schon freiwillig sagen, dass er sich überwiegend Sex- und Gewaltfilme ansieht.  Die Teleskopie bringt es an den Tag, anonym, aber einigermaßen zuverlässig. Vor allem die aus GfK-Erkenntnissen resultierende Zielgruppensegmentierung ist wichtig fürs Fundraising. In Zeiten eines überbordenden Datenschutzes ist es schwieriger, an valide Adressen heranzukommen. Die Gebiete, in denen die besten Spender etwa für Kultur- und Denkmalschutz wohnen, lassen sich leicht ausmachen und mit entsprechendem Adressmaterial verbinden.
Dass das DZI zur zentralen Stelle für Spendenstatistik werden soll, ist ein guter Vorschlag. Ohne öffentliche Mittel geht das kaum. Der hochgelobte Freiwilligen-Survey  wurde fast vollständig aus öffentlichen Töpfen finanziert. Und Prillers Arbeitgeber WZB wird es ja auch. Die schöne Situation, dass ein zumindest damals wohlhabender Lobbyverband wie der AAFRC in den USA sich entschließt, eine nationale Studie „Giving USA“ ins Leben zu rufen, die sich dann sogar noch Gewinn bringt, haben wir nicht. Auch alle größeren Studien und Erhebungen in Großbritannien kommen nur Dank öffentlichen Finanzierungshintergrunds zustande, allerdings unter  hoher freiwilliger Beteiligung von Fachleuten aus allen Bereichen, und natürlich besonders vieler renommierter Fundraiser.
Ich lese gerade das interessante Werk „Spenden in Deutschland – Analysen, Konzepte, Perspektiven“ von Eckhard Priller und Jana Sommerfeld. In den letzten Jahren hat sich auf dem Gebiet der Spendenforschung einiges getan, vor allem dank Priller und Sommerfeld und der im Buch publizierenden Autoren.
Der Beitrag „Spendermotive und Spendenpotenziale“ zeigt, dass sich weder das eine noch das andere mit Telefonumfragen ermitteln lässt. Ich hatte Herrn H. schon davor gewarnt, als er noch mit der damaligen BSM, heute Fundraising Verband, darüber sprach. Als ich ihn später um Zahlen für einen Vortrag beim Fundraising Kongress bat, hat er den Hörer aufgelegt. So weit zum Thema Dialogbereitschaft.
Spendermotive sind sehr vielschichtig. Kaum jemand wird am Telefon sagen, dass er gibt, weil er Wert darauf legt, dass sein Name in der Zeitung zu lesen ist oder weil es ihm aus gesellschaftlichen Gründen opportun erscheint oder weil für die undankbaren Erben nichts bleiben soll oder weil er von Freunden dazu gedrängt wird. Genauso wenig werden wirkliche Altruisten sagen, sie seien eben so gestrickt, dass sie Mitleid mit allem und jedem haben, ohne zu wissen warum. Die Geizigen werden nicht zugeben, dass sie geizig sind. Schon wenn ich jemandem am Telefon erklären wollte, was ich mit Spenden meine, etwa auch Sach- und Zeitspenden, den Euro für die Spendenbüchse in der Tankstelle, die Elternspende für die Klassenkasse, aber nicht den Kauf von UNICEF-Karten oder im Wohltätigkeitsbasar, würden viele nicht mehr zuhören. Ich selbst könnte am Telefon spontan nicht sagen, wie viel ich in den vergangenen 12 Monaten gespendet habe.
Da sind die Ansätze der Markt- und Zielgruppenbeobachtung der GfK interessanter und zuverlässiger, auch wenn sie niedrigere Spendenbereitschaft und -summen signalisieren als etwa der Deutsche Spendenmonitor, der ganz auf die subjektive Einschätzung der Befragten baut. GfK hat große Erfahrung mit dem Monitoring. Hier kommen auch die Einschaltquoten fürs Fernsehen her. Wer würde einem Interviewer schon freiwillig sagen, dass er sich überwiegend Sex- und Gewaltfilme ansieht.  Die Teleskopie bringt es an den Tag, anonym, aber einigermaßen zuverlässig. Vor allem die aus GfK-Erkenntnissen resultierende Zielgruppensegmentierung ist wichtig fürs Fundraising. In Zeiten eines überbordenden Datenschutzes ist es schwieriger, an valide Adressen heranzukommen. Die Gebiete, in denen die besten Spender etwa für Kultur- und Denkmalschutz wohnen, lassen sich leicht ausmachen und mit entsprechendem Adressmaterial verbinden.
Dass das DZI zur zentralen Stelle für Spendenstatistik werden soll, ist ein guter Vorschlag. Ohne öffentliche Mittel geht das kaum. Der hochgelobte Freiwilligen-Survey  wurde aus öffentlichen Töpfen finanziert. Und Prillers Arbeitgeber WZB wird es ja auch. Die schöne Situation, dass ein zumindest damals wohlhabender Lobbyverband wie der AAFRC in den USA sich entschließt, eine nationale Studie „Giving USA“ ins Leben zu rufen, die überall zitiert wird und sogar noch Gewinn bringt, haben wir nicht. Auch alle größeren Studien und Erhebungen in Großbritannien kommen nur Dank öffentlichen Finanzierungshintergrunds zustande, allerdings unter  hoher freiwilliger Beteiligung von Fachleuten aus allen Bereichen, und natürlich besonders vieler renommierter Fundraiser.

Frische Fundraising-Ideen

27. Juli 2009

Wer frische Fundraising-Ideen sucht, kann nur wieder neidisch nach Großbritannien schauen. Mit der Ideenschmiede SOFII ist Altmeister Ken Burnett und seinen Freunden ein besonderer Coup gelungen. Man schaue sich die Website an und abonniere gleich den kostenlosen Newsletter. Apropos Newsletter hier findet sich bei SOFII eine interessante Diskussion zwischen Tom Ahern (USA) und Sean Triner (Australien) über Fundraising-Newsletter und ihre Wirkung auf die Fördererbindung und Generierung von Spenden. Beide sind für gute Newsletter, und beide sind skeptisch, was die Fähigkeit von NGOs anbetrifft, solche zu produzieren. Tom Ahern:

I’ve looked at hundreds of donor newsletters. Ninety-seven (being generous) out of 100 just suck. They are literally worthless: they produce relatively little donor revenue or retention. The question to ask yourself now is this: Is our donor newsletter among the three that work? A good donor newsletter operates at 70-80 percent effectiveness; it gets almost everything right. Top-producing newsletters are 100 percent effective; they know exactly what they’re doing with every item.

Nur gut, dass beide vermutlich kein Deutsch sprechen. Wer weiß, wie sie Newsletter deutscher NGOs bewerten würden. Wer sich manche anschaut, fragt sich in der Tat, ob die NGO mal den Versuch einer Evaluierung gemacht hat.

Noch schlimmer steht es allerdings um die textliche Gestaltung unserer deutschen Spendenmailings. Immer wieder die gleichen falsch klingenden Geschichten von Pedro, der natürlich anders heißt, im Slum, der mit 15 seine kranken Eltern und fünf Geschwister ernähren muss; von den 40 Euros, mit denen man einer Familie im kenianischen Flüchtlingslager eine Hütte bauen kann. „Die Leute spenden doch, egal was Du ihnen schreibst,“ mutmaßte noch vor zehn Jahren ein bekannter Fundraiser. Heute würde das niemand mehr sagen. Aber die Erkenntnis, dass man gute Leute zum Texten braucht, die gründlich gebrieft sein müssen, dass Texte authentisch sein müssen, dass man Texte testen muss, bevor man sie an Tausende schickt, scheint sich nur mühsam durchzusetzen. Und dass Agenturen an Personal sparen, merkt man. Der Natur- und Tierschutz-Mix in ähnlicher Verpackung unter jeweils anderen Namen, dem man die Handschrift derselben Agentur ansieht, ist keine Seltenheit. Ansprechende Grafik, aber Texte mit dem Informationswert eines Losverkäufers auf der Kirmes.

I’ve looked at hundreds of donor newsletters. Ninety-seven (being generous) out of 100 just suck. They are literally worthless: they produce relatively little donor revenue or retention.
The question to ask yourself now is this: Is our donor newsletter among the three that work? A good donor newsletter operates at 70-80 percent effectiveness; it gets almost everything right. Top-producing newsletters are 100 percent effective; they know exactly what they’re doing with every item.

Me too-Stiftung

26. Juli 2009

Wer kümmert sich nicht alles um krebskranke Kinder. Wenn es je gute Zwecke gegeben haben sollte, die weniger umstritten sind, dann die Sorge um Kinder mit Schicksalskrankheiten. Gegen Hilfe für unschuldige Kinder, die ohne eigenes oder fremdes Verschulden von schlimmen Krankheiten getroffen werden, können nur Zyniker sein.

Kein Wunder, dass sich in diesem Felde viele tummeln und helfen wollen. Me too-Helfer eben. Und es gibt viele unter uns Fundraisern, die wohlhabenden Charityladys  gerne unter die Arme greifen. Wenn also Marlene Schickedanz mit ihrem guten Namen und damals noch unmäßig reich 1990 eine Stiftung für krebskranke Kinder gründet, dann wäre es doch gelacht, wenn da nicht auch für Dienstleister Geld herausspringen könnte. Also werden Mailings verschickt ohne Sinn und Verstand. Eine halbe Million angeblich jedes Jahr in den letzten drei Jahren. Aber bitteschön, wer soll denn einer Milliardärin dabei helfen, als Wohltäterin zu glänzen, wenn sie die Millionen eigentlich bisher locker aus der Portokasse aufbringen konnte? 3,8 Millionen Euro hat die Stiftung nach eigenen Angaben im Laufe der 19 Jahre ihres Bestehens für Forschung und Sorge um krebskranken Kinder und Jugendliche erübrigt. Nicht viel, würde man angesichts der Möglichkeiten der prominenten Gründerin, Werbung im eigenen unternehmerischen Umfeld zu platzieren, sagen. Seit ein paar Jahren werden fremde Kleinspender gesucht. Per Mailings, also fast ohne größeren Eigenaufwand.  Aber es sind wohl zu wenige, die anbeißen, denn „Spiegel online“ berichtet unter Berufung auf Stefan Lopfingers Charitywatch.de, dass Aufwand und Ertrag in keinem vor den Spendern zu rechtfertigenden Verhältnis stehen. Kaum die Hälfte der eingeworbenen Spenden soll krebskranken Kindern oder denen, die sich um sie kümmern, zugutekommen. Ein Gutteil landet bei Dienstleistern.

Die lauteren Motive von Frau Schickedanz, eine solche Stiftung zu gründen, sollen übrigens nicht in Zweifel gestellt werden. Eine leukämiekranke Tochter hat sie mit dem Schicksal krebskranker Kinder konfrontiert. Niemand hat etwas dagegen, wenn sie in ihren Kreisen um Spenden bittet und die Stiftung in aller Stille so ausstattet, dass dauerhaft geholfen wird. Doch wer in der breiten Öffentlichkeit sammelt, muss sich öffentlicher Kontrolle stellen, und manchmal auch der Kritik.

Wendelin Wiedekings Spende

24. Juli 2009

Man reibt sich schon verwundert die Augen. Erst war von einer Abfindung von 90, dann gar von 250 Millionen Euro die Rede. Jetzt sind es „nur“ noch 50 Millionen, und mehr als die Hälfte davon will er spenden.

Es ist schon aberwitzig, was da passiert, und bringt das Mäzenatentum auch noch in Verruf. Denn Wiedeking rächt sich mit seiner „Spende“ zunächst einmal an der Journalistenzunft, indem er ihr suggeriert: Ihr habt mich zwar kräftig demontiert, seid im Vergleich zu meinem Einkommen aber alle Hungerleider, und im Falle der Not profitiert ihr sogar von meiner Großzügigkeit. Dem Sozialfonds der Landespresse Baden-Württemberg, der Stiftung der Hamburger Presse und dem Verein Kollegenhilfe niedersächsischer Journalisten will er je 500 000 Euro zukommen lassen. Die Spenden sollen entsprechend den jeweiligen Satzungszwecken der Unterstützung Not leidender Journalisten im Alter dienen. Ausgerechnet in Regionen, aus denen der Hauptteil der Berichterstattung über Wiedeking kam.

Allerdings bekommen die Sozialwerke der Journalisten letztlich nur Peanuts. Von der Vergabe weiterer Wohltaten durch den Zuffenhausener Mäzen in Höhe von 25 Millionen Euro werden wir immer wieder lesen und hören. Und wer verbreitet’s dann? Not leidende Journalisten.

„Geben Sie heute ruhig etwas Geld aus, aber seien Sie vorsichtig …

22. Juli 2009

… überall lauern Chancen und Gefahren. So manches Schnäppchen wartet auf Sie, wenn Sie klug entscheiden.“

Wer hätte nicht schon Horoskope von ähnlicher Qualität in den bunten Blättern beim Friseur oder Zahnarzt oder in seiner Tageszeitung gefunden. Jetzt kann man sich auch an den Deutschen Fundraising Verband wenden

Gerade bekomme ich in „FundStücke“ einen hilfreichen Rat vom Verband: „Vorsichtig weiter ins Fundraising investieren. Nur wer jetzt nicht aufhört, kann bei zunehmender Konkurrenz im Fundraising bestehen und die eigenen Projekte weiter finanzieren. Aber auch zu hohe Investitionen sollten vermieden werden. Denn die Krise kann noch richtig durchschlagen. Es ist nicht wirklich eindeutig, ob wir im Fundraising vor oder nach der Krise stehen. Daher ist vorsichtiges Agieren eine notwendige Tugend.“

Und was würde die „Bild-Zeitung“ daraus machen? „Spendensammler raten: Vorsicht beim Fundraising!“

Dienstleister in der Krise?

22. Juli 2009

Die Wirtschaftskrise dürfte nicht spurlos an den Fundraising-Dienstleistern vorübergehen. Höre gerade, dass eine der größeren Fundraising-Agenturen pleite ist. Andere halten sich als Fassade aufrecht: Fast nur freie Mitarbeiter, großer Kundenkreis, zurzeit aber wenige Aufträge. Kein Wunder, denn in schweren Zeiten sind in Organisationen angestellte Fundraiser gehalten, mehr selbst zu machen, anstatt nach Fremdleistungen zu rufen. „Wozu haben wir denn einen Fundraiser eingestellt?“ oder „Wozu haben wir Ihnen die Fortbildung finanziert?“ bekommen manche zu hören. Schlecht ist das nicht. Denn Fundraising muss in erster Linie von innen kommen, wenn es authentisch sein soll. Besser ist, wenn eine Organisation selbst Fachleute einstellt und sie auf Dauer hält, als kurzfristige Aufträge für alles und jedes an Dritte zu vergeben. Natürlich muss sich nicht jeder ein eigenes Call Center, einen eigenen Lettershop, eigene Druckerei, eigene Gafik aufbauen, und Kaltadressen sucht man auch bei qualifizierten Adressfirmen. Doch die inhaltliche Gestaltung sollte im Haus gemacht verbleiben.