Teilverbot für Parteispenden?

7. Januar 2013

„Ein komplettes Verbot von Unternehmensspenden an Parteien hält der Verband dagegen nicht für sehr sinnvoll. Dies würde für den Transparenzanspruch eher kontraproduktiv wirken. Und wem es im Übrigen wirklich wichtig ist, eine Partei finanziell zu unterstützen, der wird auch einen Weg dazu finden. Das Ergebnis wäre in jedem Fall eine schlechter nachvollziehbare Herkunft der Spenden.“

Bei solchen Äußerungen schüttelt man den Kopf. Der Deutsche Fundraising Verband spricht sich am 7. Januar 2013 in einer Pressemitteilung gegen das von der Linken geforderte Verbot von Unternehmensspenden an Parteien aus und leistet sich mit einer unglücklichen Wortwahl gleich zwei Patzer. Zum einen heißt das, der Verband kann sich eine Beschränkung von Unternehmensspenden an Parteien durchaus vorstellen, wenn auch kein komplettes Verbot. Zum anderen unterstellt der Verband, dass Unternehmen ohnehin Wege finden würden, den ihnen genehmen Parteien Geld zukommen zu lassen, auch am Gesetz vorbei, wenn es nicht anders geht.

Welcher Unsinn!

Der Verband rät den Parteien zu mehr Professionalisierung, verweist auf eigene Transparenzbemühungen und wirbt für den Fundraising-Kongress. Was das mit der abwegigen Forderung der Linken nach Spendenverbot zu tun haben soll, muss man sich wohl zusammenreimen.

Wer zu spät kommt …

22. Dezember 2011

Zwei Tage vor Weihnachten, am 22. Dezember 2011 um 17:23 Uhr, hat der Fundraising-Verband erkannt, dass die Kultur des Gebens „derzeit riesigen Schaden“ nimmt. Mitschuld soll Stefan Loipfingers Buch „Die Spendenmafia – Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid“ sein. Das mag zum Teil stimmen. Wir wissen aber, dass Spendenwillige lieber denen glauben, die Gutes tun, als denen, die auf die Wohltäter schimpfen. Jede aufrechte Spendenorganisation, die kritischen Medienberichten ausgesetzt ist und daraus die richtigen Konsequenzen zieht, geht aus dieser Erfahrung gestärkt hervor. CARE, UNICEF, Greenpeace, das Rote Kreuz und viele andere können das bestätigen.

Es gibt keinen „riesigen Schaden“ durch die Loipfingers, sondern eher durch die weinerliche Haltung derer, die das Spendenwesen entschieden verteidigen müssten. Seit Jahren führt die Ethik im Deutschen Fundraising-Verband ein Schattendasein. An Grundregeln, Richtlinien, Best-Practise-Beispielen, Spendenchartas und ähnlichem wird so lange gebastelt, bis nur noch Unverbindliches übrig bleibt. Und auch das wird routiniert von einer Mitgliederversammlung zur nächsten verschoben.

Als der Ethikausschuss auf einer seiner letzten Sitzungen in Anwesenheit des heute so entsetzten Vorsitzenden mit einer Stellungnahme zu einem zweiseitigen Bericht im „Spiegel“ über die angeblichen Praktiken von Fundraising-Agenturen in die Offensive gehen wollte, verschwand das Papier auf Anweisung des Pressesprechers in der Schublade, statt wie vereinbart ins Internet gestellt zu werden. Es sollte nur auf Anfrage ausgereicht werden. Aber es fragt ja niemand.

In nämlichem Spiegel-Bericht und in Loipfingers Buch steht auch einiges über Leute, die Mitglieder und/oder Sponsoren des Verbands sind. Der Vorstand oder besser noch der Schiedsausschuss hätte sie zumindest mal fragen können, wie sie sich die Einhaltung der ethischen Grundregeln vorstellen. Die von mir vorgeschlagene Möglichkeit, sich mit wohlbegründeten Beschwerden über ethisches Fehlverhalten vertraulich an den Schiedsausschuss wenden zu können, wenn Beschwerdeführer aus wohlerwogenen Gründen anonym bleiben möchten, wurde abgebügelt. „Denunzianten“ schätzt keiner. Das verstehe ich gut, aber für die von schlechtem Gewissen Geplagten steht oft viel mehr auf dem Spiel als für die Beschuldigten. Das Wissen um Vergehen gegen die Ethik kommt oft aus durch berufliche und persönliche Nähe gewonnenen Erkenntnissen. Wer sich da offenbart, ist Job, Karriere, Kunden oder alles zugleich los. Kein Wunder, wenn der spektakulär von der Mitgliederversammlung gewählte Schiedsausschuss nichts zu tun bekommt.

Der einflusslose Ethikausschuss wurde inzwischen personell halbiert. Ich habe mich zur Jahresmitte freiwillig verabschiedet. Für Alibi-Veranstaltungen ist mir Lebenszeit zu schade.

Der Verband ist nicht die einzige Ethik-Enttäuschung. Auch der Spendenrat macht nicht viel von sich her. Wenn mal wirklich ein Mitglied ausschlussreif ist, tritt es vorher aus und hält die anderen zum Narren. Als Kuschelkreis war das Gremium nicht gedacht.

Nein, die Spenden sind vermutlich nicht rückläufig, wie uns das DZI weismachen will, und der „riesige Schaden“ droht allenfalls dem Verband, wenn die Verantwortlichen nicht aufpassen. Das Spenden verlagert sich viel mehr auf die regionale und örtliche Ebene. Auch die vielen Stiftungs- und Vereinsneugründungen deuten darauf hin, dass Wohltäter das Gutes Tun à la Bill Gates lieber selbst in die Hand nehmen. Das ist nicht so gut, wie es klingt, denn viele Hilfeleistungen bedürfen großer Erfahrung und einer Leistungsfähigkeit, die auch aus einem gewissen Volumen kommt. Andererseits dürfte die Nachhaltigkeit der vielen hunderttausend Grassrootsprojekte, die engagierte Touristen und Missionare in Ländern der so genannten Dritten Welt hinterlassen, weitaus höher sein als so mancher Großvorhaben.

Anrüchiger Dank

30. August 2011

Manchmal gibt es Fundraising-Ideen, bei denen sträuben sich die Nackenhaare. Leider funktionieren sie und ebenso leider nur ein einziges Mal.

Lindsay Boswell berichtet auf der Fundraising-Plattform SOFII von einem Dankmail der britischen Operation Raleigh, einer Benefizorganisationen, die junge Leute ans Ende der Welt führt, um sie zu sich selbst finden zu lassen. Ausgedacht scheinen sich diese wunderbaren Erfahrungen ehemalige Militärs, etwa Colonel John Blashford-Snell, der auch auf der Website abgebildet ist. Offenbar hat es ein erfolgreiches Mailing ihn an Firmen gegeben, und der Dank der Organisation für die Spenden kam auf einem besonderen Medium, nämlich handgeschrieben auf Toilettenpapier. Diese originelle Idee scheint wiederum zahlreiche neue Spenden ausgelöst zu haben, so dass das Dankmailing zu einem der erfolgreichsten der Organisationen wurde.

Leider ist diese schöne Idee nicht beliebig kopierbar. Stellen Sie sich vor, dass jede einigermaßen fortschrittliche deutsche Nonprofit-Organisationen nun Toilettenpapier zum Dank an spendable Firmen schickt. Die Mitarbeiter müssen dann bei jedem Gang zum stillen Örtchen aufpassen, welche gemeinnützige Organisationen sie bei dem nötigen Reinigungsritual gerade vor und gleich wieder hinter sich haben.

Dankmail auf Toilettenpapier

Das Dankmail der Operation Raleigh.

Don Demidoff ist tot

22. August 2011

Don Demidoff, umstrittener Priester einer unabhängigen katholischen Kirche, begabter Spendensammler und langjähriger Betreiber eines nach dem Salesianer Don Bosco benannten Kinderheims im rumänischen Cincu, ist am 27. Juni 2011 im rumänischen Iacobeni bei Agnita nach einem Herzinfarkt gestorben. Nach Iacobeni hatte er sich aus gesundheitlichen und anderen Gründen zurückgezogen und zuletzt eine von ihm gegründete „Casa Angelorum“ geleitet. Die Beerdigungdes unorthodoxen Wohltäters am 30. Juni auf dem Friedhof von Iacobeni fand unter großem Anteil der Bevölkerung, Behörden und der Geistlichkeit, darunter drei orthodoxe Priester, statt. Die Verwaltung des Demidoff-Nachlasses hat ein Adoptivsohn, Sabin Muntean, übernommen, der angeblich auf die Genehmigung zur Einrichtung eines Kinderheimes wartet. Das ehemalige Kinderheim in Cincu steht dem Vernehmen nach zum Verkauf.

Demidoff hat viel Unterstützung aus protestantischen Kreisen in Rumänien und Deutschland bekommen. Von dort kommen auch die ersten Ansätze einer Hagiografie.

Die meisten Beobachter lassen jedoch kein gute Haar an ihm; einige nutzen den Fall Demidoff jedoch zur allgemeinen Kirchenkritik, was ihre Objektivität nicht über jeden Zweifel erhaben macht. Das „Parteibuch-Lexikon“ schildert ziemlich objektiv und mit vielen Quellenangaben, was über den selbst ernannten Pater bekannt ist.

Lesenswert ist auch der Artikel „Totgesagte leben länger“ von einem konservativen Katholiken, Eberhard Heller.

Grab von Don Demidoff in Iacobeni, Rumänien

Grab von Don Demidoff in Iacobeni im August 2011.

 

 

Was Fundraiser glücklich macht

13. Juli 2011
Fundraisingglücksgeschichten Buchtitel

Fundraisingglück

Oft sind es schon die kleinen Dinge, die Fundraiser/innen erfreuen können: Ein rechtzeitig ausgesprochener Dank an einen Kleinspender, der viel später zu einer Erbschaft führt, eine gerettete einäugige Katze und die Einsicht, dass man auch das Tun des Guten selbst übernehmen muss, ein informatives Frühstück mit kundigen Bekannten, das neue Erkenntnisse bringt, ein Großauftrag an die Beraterin, der ihr trotzdem alle Freiheiten lässt. Helmut Liebs hat das alles in einem Büchlein zusammengefasst, das er „Fundraisingglücksgeschichten“ nennt und in dem prominente und weniger bekannte deutsche Fundraiserinnen und Fundraiser beglückende Fundraisingmomente schildern, allen voran Lothar Schulz, der den Glücksgewinn im Fundraising sozusagen zum Dauerversprechen gemacht hat und gerne von Friendraising spricht, obwohl es so richtige Freundschaft zwischen Geldgeber und Akquisiteur selten gibt.

Das Büchlein ist jedem, der Glücksmomente im Fundraising-Beruf erfahren will, dringend zu empfehlen. Es umfasst 75 leicht zu lesende Seiten und kostet 7,80 Euro, wovon jeweils 50 Cent der Stiftung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zufließen. Zu beziehen ist es beim Evangelischen Medienhaus Stuttgart

Madonna wollte Mädchenschule gründen

26. März 2011

Mal wieder alles falsch gemacht. Wer meint, mit Geld könne man in Afrika alles kaufen und erreichen, ohne selbst vor Ort zu sein und jeden  Schritt der Umsetzung zu kontrollieren, der erleidet Schiffbruch. Viele kleine und mittlere Organisationen gingen durch dieses Wechselbad der Erfahrung. Einige lösten sich desillusioniert auf, mit Imageschaden auch für die Afrikahilfe insgesamt. Die größeren wissen das bereits. Warum hat sich Madonna nicht einer erfahrenen NGO anvertraut und gleich als Dauerbotschafterin zur Verfügung gestellt? Näheres hier.

Angemessenes Honorar

16. Februar 2011

Dass Frau Lierhaus  als neues Gesicht von Ein Platz an der Sonne ein Jahreshonorar von 450.000 Euro bekommen soll, ist ihr nicht vorzuwerfen. Es handelt sich um eine kommerzielle Lotterie, deren Erträge  in überdurchschnittlicher Höhe guten Zwecken zugutekommen. Aber die Gewinnabsicht steht für die Spieler immer im Vordergrund. Und die Konkurrenz anderer Lotterien – von Aktion Mensch und vielen staatlichen und privaten – zwingt zu besonderen Marketing-Anstrengungen. Frau Lierhaus‘ Präsenz hat offenbar einen hohen Marketingwert.

Siehe dazu den Tagesspiegel und Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung

Neues Netzwerk für die Welthungerhilfe

8. Februar 2011

Die Deutsche Welthungerhilfe geht neue Wege im Internet. Von der Agentur virtual identity in Freiburg (www.virtual-identity.com) hat sie ein Netzwerk namens „123WIR – das Netzwerk der Welthungerhilfe“ entwickelt das „das neue Wir-Gefühl im Web“ vermitteln soll. Über die Plattform sollen sich Spender mit Projektverantwortlichen und Gleichgesinnten vernetzen und austauschen können. Spender erhalten über Blogs, Videos und Bilder Einblicke in die Projekte und den Einsatz Ihrer Spenden. Der Nutzer erhält über einen zeitschriftenähnlich konstruierten, leicht durchzublätternden elektronischen Auftritt einen Blick auf alle wichtigen Informationen über die neuesten Projekte, Unterstützeraktionen, aktuelle Aktivitäten seiner Freunde sowie Bilder der Foto-Galerie. Der Nutzer kann einzelne Projekte und Aktionen im Überblick auf einer Kartenansicht sehen und gelangt von dort aus zu den detailierten Informationen. Wie das aussieht kann man hier einsehen.

Die eigene Website ist die beste

25. Januar 2011

Kai Fischer weist in fundraising innnovativ auf eine Studie des US-Dienstleisters Network for Good hin, nach der die Spendenaufrufe auf eigenen Websites der Organisationen mehr Erfolg und Nachhaltigkeit versprechen als die auf Spendenportalen und in Social Networks. Die Erkenntnisse, denen die Auswertung von 3,5 Millionen eigenen Daten der Firma zugrunde liegt, sind:

  • Förderer, die über die eigene Website kommen und auf einem Spenden-Tool im Corporate Design der Organisation spenden, steigen mit den höchsten Beträgen ein und spenden auch über die Zeit deutlich mehr als alle Online-Spender, die einen anderen Zugang wählen.
  • Portal-Seiten helfen vielfach Spendern bei der Orientierung und bieten eine gute Übersicht, wer sich bei welchem Thema engagiert. Aber sie führen auch zu geringeren Erträgen.
  • Noch schlechter sind die Zahlen, wenn man sich die Spenden anschaut, die über Social Network-Sites gegeben wurden.

Trotzdem ist klar, dass weiterhin jede dieser Möglichkeiten genutzt werden sollte, denn je mehr Gelegenheiten geschaffen werden, Förderer auf sich zu lenken, desto höher sind die Chancen, Spenden zu bekommen.

Was sind Social Media?

24. Januar 2011

Immer wieder originell, Jan Uekermanns Fundraising-Podcast. Er ist der Einzige in Deutschland, der sich das zutraut und – mit einigen Pausen – umsetzt. Mail reinhören in seine Interviews zum Thema „Was sind Social Media“ auf dem fundraising2.0 CAMP. Man muss halt aufpassen, dass man aus der virtuellen Welt dann wieder in die reale kommt, zumindest wenn man Spenden sammeln will. Ein unverbindlicher Plausch bei Facebook unter „Freunden“ mit einem „gefällt mir“ unter einem Video über die Lage auf Haiti führt leider noch nicht zur Onlinespende.